Berlin (dpa) - Die Verbraucher in Deutschland müssen sich nach Ansicht von Konjunkturexperten in den kommenden Jahren auf deutlich steigende Preise einstellen. «Ein Anstieg der Inflationsrate bis auf 4 Prozent ist durchaus möglich».

Das sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, der «Bild»-Zeitung (Mittwoch). 2010 hatte sie laut Statistischem Bundesamt bei 1,1 Prozent gelegen und damit noch deutlich unter der Marke von knapp 2 Prozent, die für die Europäischen Zentralbank (EZB) Preisstabilität bedeutet.

Eine Jahresteuerung im Januar von mindestens 2 Prozent erwartet Unicredit-Analyst Andreas Rees. Die vorläufigen Zahlen will das Bundesamt am Donnerstag veröffentlichen.

Nach Angaben der Behörde stieg die Jahresteuerung bei importierten Gütern auf den höchsten Stand seit 1981. Grund ist eine Explosion bei den Einfuhrpreisen für Energie und Nahrung. Höhere Importpreise schlagen erfahrungsgemäß mit Zeitverzug zumindest zum Teil auf die Verbraucherpreise durch.

Die Einfuhrpreise lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Dezember 2010 um 12 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber November 2010 stiegen die Einfuhrpreise um 2,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt erhöhten sich die Importpreise gegenüber 2009 um 7,8 Prozent und damit so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Höhere Agrar-Investition könnten nach Ansicht des weltweit größten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé ein Mittel im Kampf gegen die Preisexplosion auf dem Lebensmittelmarkt sein. In den vergangenen zehn Jahren «blieb der Produktivitätszuwachs im Agrarsektor hinter dem Bevölkerungswachstum zurück», sagte Verwaltungsratschef Peter Brabeck-Letmathe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch). Jede Sekunde wachse die Weltbevölkerung um vier Menschen, zugleich gingen 0,3 Hektar Agrarfläche verloren.

Die Zahl der Hungernden sei nach einem zwischenzeitlichen Rückgang seit 2008 wieder auf mehr als eine Milliarde gestiegen. «Das ist inakzeptabel», betonte er. Anders als 2008, als die Finanz- und Wirtschaftskrise die Preissteigerungen bei Lebensmitteln abrupt beendet habe, könnte der Anstieg nun von Dauer sein. «Gerade deshalb ist es ein absoluter Wahnsinn, Agrarflächen zur Erzeugung von Biodiesel zu verwenden, auch wenn die Ziele für den Einsatz dieser nachwachsenden Rohstoffe nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten reduziert worden sind», ergänzte Brabeck-Letmathe.