Berlin (dpa) - Verkehrte Welt nach dem Angst-Derby: Während bei Zweitliga-Spitzenreiter Hertha das Grübeln einsetzte, zeigten sich die eigentlich schon abgeschlagenen Cottbuser selbstbewusst.

«Die Cottbuser, die heute gespielt haben, können noch aufsteigen», erklärte Energie-Torjäger Nils Petersen nach dem 2:2 im Berlin-Brandenburg-Duell keck, obwohl die Lausitzer nach dem vierten sieglosen Spiel nacheinander nun schon acht Punkte hinter einem Aufstiegsplatz hinterherhinken. Die Hertha-Fans indes sorgen sich um die Robustheit der Berliner-Profis im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga.

Die Reaktionen aus beiden Lagern resultierten aus einem Derby, das für Hertha ein Alarm- und für Energie ein Aufbruchsignal werden soll. «Das haben wir in der Hinrunde schon mal besser gemacht», bemängelte Berlins Manager Michael Preetz die auffällige Anfälligkeit seines teuren Teams nach Gegentreffern. Trotz des frühen Führungstors von Jungprofi Pierre-Michel Lasogga reichte schon der Ausgleich durch Daniel Adlung zur großen Hertha-Verunsicherung. «Das müssen wir schleunigst wieder hinbekommen»», forderte Preetz vor der nächsten Aufgabe am 26. Februar bei der Aachener Alemannia im Aufwind. «Wir müssen über 90 Minuten ackern», forderte Mittelfeldmann Patrick Ebert.

Genau da liegt die Gefahr bei Hertha versteckt. Mit der Überzeugung, dass die besten Spieler der 2. Liga «zu 99 Prozent den Aufstieg bringen», wie es Trainer-Kontrahent Claus-Dieter Wollitz ausdrückte, vergessen die Berliner zu oft das bedingungslose Arbeiten. «Uns fehlte der letzte Biss», gab Ebert zu. Dazu gesellte sich gegen Energie ein verunsicherter Torwart Maikel Aerts und eine unsichere Innenverteidigung, so dass Trainer Markus Babbel «mit dem einen Punkt zufrieden» sein musste. Mit zwei Zählern Vorsprung steht Hertha noch oben in der Tabelle, doch allein das anstehende Auswärtsprogramm wartet mit hohen Hürden in Aachen, Fürth, Bochum, Duisburg und Aue: Aufwachen Hertha!

Wie ein Team funktioniert und wie daraus Stärke erwächst, demonstrierten in Berlin nur die Cottbuser. Nach dem schon siebenten Saisontor von Innenverteidiger Uwe Hünemeier und dem Hertha-Ausgleich durch Roman Hubnik war Energie bei 16:8 Torschüssen und einem 54:46-Zweikampfvorteil nah dran am Sieg. «Drei Punkte wären absolut verdient gewesen», bemerkte Torschütze Adlung. Doch auch so will der Pokal-Halbfinalist, der am kommenden Dienstag in Duisburg das Ticket für das Finale in Berlin buchen möchte, den möglichen Aufstieg noch nicht abschreiben: «Wir sind zu ehrgeizig, um uns damit abzufinden», betonte Wollitz. Der Energie-Chefcoach weiß aber auch: «Wenn wir nochmal oben rankommen wollen, brauchen wir Dreier. Nicht nur einen, sondern drei, vier, fünf Siege in Folge.»

Die «große Serie» muss schon am 25. Februar im eigenen Stadion gegen den FSV Frankfurt starten. «Die Mannschaft ist davon überzeugt», erklärte Wollitz und verwies auf die Vorsaison, als Energie ab März von den letzten zehn Spielen sieben gewinnen konnte. «Vielleicht wird die eine oder andere Mannschaft ein bisschen müde. Duisburg und Augsburg müssen noch zu uns. Und wenn wir mit solcher Laufbereitschaft und Organisation spielen wie bei Hertha, hat jeder Gegner gegen uns Probleme», umriss der Trainer die Hoffnungen.