Frankfurt/Main (dpa) - Ein West-Maler, der Ost-Helden darstellt - das kam in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik nicht gut an. Während sein Freund Georg Baselitz sich mit seinen auf dem Kopf stehenden Bildern erfolgreich etablierte, stieß Eugen Schönebeck mit seinen Werken auf Unverständnis.

Nach zehn Jahren beschloss Schönebeck, mit dem Malen aufzuhören, sein letztes Bild stammt von 1967. Die Frankfurter Kunsthalle Schirn widmet ihm jetzt eine große Ausstellung - es ist die erste seit fast zwei Jahrzehnten. Schirn-Direktor Max Hollein hält sein Werk für «bahnbrechend»: «Ein radikaler Künstler mit einem sehr eigenen Weg im totalen Gegensatz zum Konsens seiner Zeit.» Das Gesamtwerk ist übersichtlich: Nicht mehr als 30 Ölgemälde sind erhalten. Dazu kommen etwa ebenso viele Zeichnungen. Die Ausstellung ist vom 23. Februar bis zum 15. Mai zu sehen.

Schönebeck wurde 1936 bei Dresden geboren. 1955 verließ er die DDR, um in West-Berlin Kunst zu studieren. 1957 freundete er sich mit Baselitz an, mit dem zusammen er ein Manifest verfasste, das eine Kunst forderte, die sich von Abstraktion löst. Seine ersten Arbeiten waren selbst abstrakt, doch bald wurden die Bilder figurativer. Er malte im Stil von Francis Bacon Gefolterte und Tote. Damit verarbeitete er seine Kindheitserlebnisse im Zweiten Weltkrieg.

Als die Mauer ihm das Pendeln zwischen Ost und West verwehrte, wurden seine Bilder immer politischer. Er malte - nach Fotos - Porträts von Lenin, Trotzki und Mao. Den flächigen Malstil hatte er im Osten erlernt. «Solche Gemälde waren im Nachkriegsdeutschland tabu», sagt Kuratorin Pamela Kort. Für sie bezeugen die Bilder «sein Ringen um einen Mittelweg zwischen einer für den kapitalistischen Markt gefertigten und einer politischen Zielen verpflichteten Kunst.» Schönebeck lebt in Berlin.