Unruhen Gaddafi: Demonstranten von Al-Kaida angeheuert

Tripolis/Kairo/Washington (dpa) - Das Morden in Libyen nimmt kein Ende, doch die wachsende Empörung in der Welt lässt Staatschef Muammar al-Gaddafi kalt. Der Machthaber hält sogar dagegen: Er machte am Donnerstag das Terrornetzwerk Al-Kaida für die Proteste in seinem Land verantwortlich.

Die Demonstranten seien «Soldaten, die (der Al-Kaida-Anführer Osama) bin Laden rekrutiert hat». Der Exodus der Ausländer aus Libyen hält derweil an. Regierungen in aller Welt organisieren mit Hochdruck die Rettung ihrer Staatsbürger. Die deutsche Marine schickte drei Schiffe. An den Märkten treiben die Unruhen die Preise für Öl, Gold und Silber weiter in die Höhe.

Anzeige

Gaddafi sagte an die Adresse der Einwohner der Stadt Al-Sawija: «Wenn ihr einander töten wollt, dann tut das.» Von dort waren am Vormittag heftige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Gaddafi-Truppen gemeldet worden. Ein Augenzeuge sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Arabija am Donnerstag, die Stadt gleiche einem «Schlachthaus» und fügte hinzu: «Es ist schwer, jetzt die vielen Toten und Verletzten in der Stadt zu zählen.» Am Abend wurde über weitere Proteste auch aus anderen Städten berichtet, unter anderem in der Hafenstadt Bengasi.

Der libysche Staatschef, der vom staatlichen Fernsehen diesmal nicht gezeigt, sondern nur per Telefon zugeschaltet wurde, sprach dagegen von einer «Komödie», die sich in der Stadt abspiele. Außerdem wiederholte er seinen Vorwurf, die Aufständischen stünden unter Drogeneinfluss.

Unterdessen wird die Kritik an Gaddafi in der Welt immer lauter - ohne dass sich die internationale Gemeinschaft allerdings auf Maßnahmen verständigen kann. Bundespräsident Christian Wulff verurteilte Gaddafi als «Psychopathen», der sein Volk mit Gewalt terrorisiere. «Das ist Staatsterrorismus. Das ist offenkundig das Handeln, das als psychopathisch bezeichnet werden kann», sagte Wulff nach einem Gespräch mit Italiens Staatspräsidenten Giorgio Napolitano in Berlin.

Zum ersten Mal seit Beginn der Unruhen äußerte sich US-Präsident Barack Obama öffentlich: «Diese Gewalt verletzt internationale Normen und jedes normale Maß an Anstand», sagte er am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. «Diese Gewalt muss aufhören.» Einen Rücktritt Gaddafis forderte er aber nicht, auch das Wort Sanktion nahm er nicht in den Mund. Außenminister Guido Westerwelle drang dagegen bei einem Besuch in Kairo auf Sanktionen.

Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig sagte am Donnerstag in New York, es sei «höchste Zeit für den Sicherheitsrat zu handeln und konkret zu werden». An diesem Freitag wird sich der UN-Menschenrechtsrat in Genf bei einer Sondersitzung mit der Lage in Libyen befassen. Die Schweiz sperrte am Donnerstag sämtliche Vermögen der Gaddafi-Familie.

  • Quelle dpa
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

      • Anzeige
      Service