Washington/Bengasi (dpa) - Mit massiven Luft- und Raketenangriffen hat der internationale Militäreinsatz gegen Libyen begonnen.

Die USA und Großbritannien starteten am Samstag von Kriegsschiffen und U-Booten aus Raketenangriffe auf militärische Ziele des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Zudem griffen französische und britische Kampfjets in die Militäraktion ein. Beschossen wurden vor allem Ziele in Küstennähe.

Die von den Vereinten Nationen gebilligte Militäraktion soll verhindern, dass Gaddafi weiter Krieg gegen das eigene Volk führt. Die Angriffe begannen parallel zu einem Sondergipfel internationaler Spitzenpolitiker in Paris unter der Leitung von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden mehr als 110 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk abgefeuert. Rund 20 militärische Anlagen seien ins Visier genommen worden, sagte Vizeadmiral William Gortney. Französische Kampfflugzeuge beschossen ein Fahrzeug der libyschen Armee. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira trafen die Maschinen auch vier Panzer der Gaddafi-Truppen bei Bengasi, einer Hochburg der Aufständischen.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatzbefehl an die US-Streitkräfte für eine «begrenzte Militäroperation in Libyen» gegeben. «Diese Aktion hat jetzt begonnen», sagte Obama am Samstag bei seinem Besuch in Brasilien. «Wir werden keine, ich wiederhole, keine US-Truppen am Boden einsetzen.» Nach einem Bericht der «New York Times» (Samstag) dürfen US-Soldaten nach dem Willen Obamas nur «Tage, nicht Wochen» in den Kampf verstrickt werden.

Ein Sprecher der libyschen Regierung sprach von einem barbarischen Akt. Der Geist der Gaddafi-Anhänger werde dadurch aber nicht geschwächt, sagte er in einer vom britischen Sender BBC übertragenen Pressekonferenz in Tripolis. Der Sprecher wiederholte seine Forderung, dass internationale Beobachter nach Libyen kommen sollten. Am Vortag war bei einer entsprechenden Einladung auch ausdrücklich Deutschland ins Spiel gebracht worden.

Über das Ergebnis des Raketenbeschusses konnte das Pentagon noch keine Auskunft geben, weil die Angriffe in der Nacht stattfanden. Mit dem Beschuss sollten weitere Angriffe auf Zivilisten und Oppositionsgruppen bei Bengasi verhindert werden, hieß es. Zudem sollte das Gaddafi-Regime behindert werden, sich gegen die Einrichtung einer Flugverbotszone zu wehren.