Chanty-Mansijsk (dpa) - Tina Bachmann hatte keiner auf der Rechnung. Doch im Biathlon-Klassiker über 15 Kilometer lieferte die Sächsin ihre beste Saisonleistung ab und holte WM-Silber. Sprint-Weltmeisterin Magdalena Neuner scheiterte an den Bedingungen und wurde Fünfte.

Die Favoritinnen waren schon als Geschlagene im Ziel, da schlug die große Stunde von Tina Bachmann. Im 15-Kilometer-Einzelrennen der Biathlon-Weltmeisterschaft lieferte die 24-Jährige, die in dieser Saison immer wieder mit schwankenden Schießleistungen zu kämpfen hatte, in Chanty-Mansijsk ihr Meisterstück ab und schnappte sich in ihrem ersten WM-Rennen überhaupt gleich Silber.

Magdalena Neuner muss dagegen weiter auf ihre WM-Medaille im Klassiker warten. «Es war wie Lotto spielen. Es gab einige, die Glück hatten», sagte die Doppel-Olympiasiegerin nach dem von stürmischen Böen begleiteten Rennen. Trotzdem lächelte die Bayerin und freute sich «total für die Tina. Sie hat es schwer gehabt».

Ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft lief Tina Bachmann bei widrigsten Bedingungen in Chanty-Mansijsk das Rennen ihres Lebens. «Wenn ich in der Früh aufwache, dann werde ich mich erst einmal kneifen und mir denken, da liegt sie ja immer noch die Medaille», sagte die Polizeimeisterin aus Schmiedeberg, die 2009 beim Sprint an gleicher Stelle ihren ersten und bisher einzigen Weltcup-Sieg geschafft hatte.

Obwohl die 24-Jährige gleich beim ersten Stehendschießen zwei Scheiben («Da war ich unkonzentriert») stehen ließ, behielt sie unter Flutlicht im böigen Wind die Nerven. Helena Ekholm schoss als Einzige der fast 100 Starterinnen fehlerfrei. Die Schwedin gewann das Rennen mit 2:15,8 Minuten Vorsprung vor Bachmann, die sich Silber vor Wita Semerenko (Ukraine) sicherte.

«Helena hat heute eine der besten Leistungen gebracht, die es im Biathlon je gegeben hat», lobte Schweden-Trainer Wolfgang Pichler überschwänglich. Magdalena Neuner, die Sprint-Weltmeisterin, die in den ersten drei WM-Rennen drei Medaillen gewonnen hatte, haderte nach fünf Fehlschüssen mit den Bedingungen. «Das Schießen war extrem. Wir haben uns vielleicht sogar gewünscht, dass der Wettkampf verschoben wird.» Noch schlimmer erwischte es Andrea Henkel, die neun Strafminuten aufgebrummt bekam und das Rennen als 46. beendete. 20. wurde Sabrina Buchholz.

Tina Bachmann hatte kaum einer auf der Favoritenliste. «Die Leistung war sicherlich nicht zu erwarten, denn die Tina ist durch ein ziemliches Tal marschiert. Sie hat die letzten Wettkämpfe sehr mit ihren Schießergebnissen gehadert», sagte Bundestrainer Gerald Hönig. Ausgerechnet in ihrem allerersten WM-Rennen platzte der Knoten. «Sie war wirklich ganz große Klasse. Die Leistung gerade beim letzten Schießen war sehr souverän», sagte Hönigs Kollege Ricco Groß.