Berlin (dpa) - Die Reisemesse ITB soll dem Geschäft mit dem schönsten Wochen des Jahres neuen Schub geben. Die Veranstalter, Feriengebiete und Hotels erwarten so viele Gäste wie schon seit langem nicht mehr - trotz politischer Unruhen, steigender Ölpreise und Inflationsbefürchtungen.

Die Reisebranche hat die Krise abgehakt und startet mit dem Rückenwind der guten Konjunktur optimistisch in die neue Saison. Die großen Reiseveranstalter melden zweistellige Buchungszuwächse. Sie erwarten eines neues Rekordjahr. «Das Geschäft boomt wie lange nicht mehr», hieß es übereinstimmend auf der weltgrößten Reisemesse ITB bei den großen Konzernen Tui, Rewe oder Thomas Cook. Die Branche freut sich, dass die Gäste wieder früher buchen und nicht mehr so oft auf billige Last-Minute-Schnäppchen setzen wie im vergangenen Jahr. Auch Familien fahren wieder mehr in Urlaub, die in der Krise ihre Reisekasse schonten.

Hotels, Gaststätten oder Busunternehmer stellen sich auf brummende Geschäfte ein. Deutschland steht als Reiseland hoch im Kurs - nicht nur bei den Bundesbürgern. Die europäischen Nachbarn, aber auch Asiaten und Amerikaner entdecken zunehmend die touristischen Vorzüge der deutschen Städte und Landschaften. Nachdem 2010 erstmals die Marke von 60 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste übersprungen wurde, erwartet die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) einen weiteren Aufwärtstrend. Spätestens in zehn Jahren sollen es 80 Millionen Übernachtungen sein.

«Die Zeichen für ein weiteres erfolgreiches Reisejahr stehen sehr gut», sagte DZT-Chefin Petra Hedorfer am Mittwoch auf der ITB. Seit 2004 schiebe sich Deutschland auf der Beliebheitsskala bei europäischen Reisenden nach vorn, jetzt schon auf Platz zwei hinter Spanien und noch vor Frankreich, gefolgt von Italien und Österreich. Niederländer und seit kurzem auf Platz zwei die Schweizer seien die häufigsten Übernachtungsgäste.

Zwar werden langfristig der DZT zufolge die meisten Reisenden aus dem Euroraum kommen, wobei selbst aus den Urlaubsländern Spanien und Italien noch mehr Besucher zu erwarten seien. Auch Russen und Polen seien immer häufiger unter den Gästen. Hohe Zuwächse werden aus den großen Schwellenländern erwartet - mit steigender Wirtschaftskraft nimmt auch die Reiselust zu. «China und Indien sind die künftigen Top-Wachstumsmärkte für Deutschland», auch im Tourismus, sagte Hedorfer.

Einschließlich der einheimischen Gäste könnten in diesem Jahr in Deutschland erstmals bis zu 390 Millionen Übernachtungen erzielt werden, schätzt die DZT, die für die Vermarktung des Deutschland-Tourismus zuständig ist. «Der Trend zu Reisen im eigenen Land hält an», betont Hedorfer. Im vergangenen Jahr gab es erstmals mehr als 320 Millionen Übernachtungen aus dem Inland.

Bei den Auslandszielen der Deutschen sind Spanien, Griechenland und die Türkei die Gewinner der Saison. Beim größten deutschen Reiseveranstalter Tui setzt sich auch der Fernreiseboom fort, obwohl höhere Kerosinzuschäge verlangt werden und die Luftverkehrsabgabe die Flugreisen verteuert. Durch die Unruhen in Nordafrika und Rückholaktionen aus Ägypten und Tunesien mussten viele Veranstalter zwar Rückschläge hinnehmen, aber die wenigstens Urlauber haben verzichtet, stattdessen buchten viele auf andere Ziele um.