Düsseldorf (dpa) - Der größte deutsche Energiekonzern Eon steht vor einem der schwierigsten Jahre seiner Geschichte. Die erstmals fällig werdende Atomsteuer, Verluste beim Gas und ein schwächeres Stromgeschäft werden die Gewinne des Unternehmens kräftig nach unten drücken.

Bei der Bilanzvorlage am Mittwoch bezifferte Vorstandschef Johannes Teyssen allein die Kosten der Brennelementesteuer auf knapp eine Milliarde Euro. Insgesamt könne der bereinigte Überschuss um bis zu 32 Prozent auf zwischen 3,3 Milliarden und 4,0 Milliarden Euro schrumpfen, nach knapp 5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Wegen des Überangebots an Gas sowie der Ölpreisbildung bei langfristigen Liefervertragen rechnet der Vorstand in diesem Jahr zudem mit Verlusten beim Gas in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Das Geschäft bleibe unter Margendruck, weil die Einkaufspreise der langfristigen Lieferverträge über den aktuell zu erzielenden Verkaufspreisen lägen. Mit Nachdruck verhandelt Eon derzeit mit Lieferanten wie Gazprom über Preissenkungen.

Teyssen: «Es geht um eine neue Struktur der Verträge». Gas müsse man zu vermarktungsfähigen Konditionen einkaufen können. «Händler und Produzenten haben dabei ein gemeinsames Interesse», betonte er. Das Überangebot auf dem Gasmarkt ist durch neue Fördertechniken einerseits sowie eine schwächere Nachfrage in den Industrieländern andererseits entstanden. Zugleich steigt der Ölpreis unter anderem wegen der blutigen Unruhen in Libyen stark an. Die Kopplung der Lieferverträge an den Ölpreis bedeutet, dass Eon Gas teurer einkaufen muss, als es an den kurzfristigen Spotmärkten gehandelt wird.

Operativ sieht Teyssen Eon unterdessen auf einem guten Weg - auch wenn das Unternehmen im kommenden Jahr eine weitere Durststrecke zurücklegen muss: «Wir werden die Jahre 2011 und 2012 für eine grundlegende Konsolidierung aller Geschäftsfelder nutzen», sagte er. Verglichen mit den Wettbewerbern könne Eon weiterhin eine solide und gesunde Bilanz vorweisen. Im vergangenen Jahr steigerten die Düsseldorfer das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) leicht um 2 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 16 Prozent auf knapp 93 Milliarden Euro.

Mit viel Schwung hat Teyssen die neue Konzernstrategie in Angriff genommen: Von den angekündigten Beteiligungsverkäufen im Volumen von 15 Milliarden Euro bis 2013 habe Eon binnen vier Monaten bereits 9 Milliarden erlöst. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern den Verkauf des britischen Stromverteilnetzes zum Preis von fast 5 Milliarden Euro bekanntgegeben. Zuvor trennte sich der Versorger von seinen Gazprom-Anteilen und seinem italienischen Gasnetz. Eon will die Hälfte der Verkaufserlöse für den Schuldenabbau einsetzen.

«Wir sind bereit für neues Wachstum», sagte Teyssen weiter. Keine genauen Angaben macht der Konzernchef weiterhin über jene zwei Regionen außerhalb Europas, in welchen sich Eon künftig - neben den USA und Russland - noch engagieren will. Teyssen plant den Umbau des Konzerns von einem bislang primär europäischen Energieversorger zu einem zunehmend global spezialisierten Anbieter von Energielösungen. In der Branche wird unter anderem über einen möglichen Einstieg des Versorgers in China, Indien, Südafrika oder auch in Brasilien spekuliert.