Berlin (dpa) - Bei seiner Premiere ein Flop, gilt es heute als filmisches Meisterwerk: Fritz Langs gewaltiges Science-Fiction-Epos «Metropolis». Vor zehn Jahren wurde eine digital überarbeitete Version in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen.

Als erster Film überhaupt. Nun, 84 Jahre nach der Erstaufführung, kommt eine weitere restaurierte Fassung des Stummfilm-Klassikers in die Kinos. Sie soll weitgehend dem längst verloren geglaubten Original entsprechen. Der Unterschied zu der Version von 2001: «Um es ganz einfach zu sagen: Es ist Fritz Langs Metropolis», heißt es auf der Homepage der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die sich für den Erhalt des deutschen Film-Erbes einsetzt. Man komme dem Meisterwerk so nahe wie seit acht Jahrzehnten nicht mehr. Die anderen Versionen basierten auf den «verkürzten und dramaturgisch veränderten Fassungen der späteren deutschen und internationalen Kinoauswertung».

Es war im Januar 1927, als Fritz Langs kolossales Epos erstmals aufgeführt wurde, das sich um den Klassenkampf zwischen der luxusverwöhnten Oberschicht und der schuftenden Unterschicht dreht, um die Liebe zwischen dem wohlbehüteten Freder (Gustav Fröhlich) und der Arbeiterführerin Maria (Brigitte Helm) sowie um den Rachefeldzug des Erfinders Rotwang (Rudolf Klein-Rogge) mit seinem Maschinenmenschen gegen den Herrscher der Stadt, Joh Fredersen (Alfred Abel).

In den ersten vier Monaten nach dem Start in Berlin sollen nur etwa 15 000 Menschen den Film gesehen haben. Selbst für damalige Verhältnisse ein Mega-Flop. Vor allem in Anbetracht der Dimensionen, in denen sich Fritz Lang bewegte: Eineinhalb Jahre dauerten die Dreharbeiten, neben den acht Hauptdarstellern um Helm und Fröhlich wurden Zehntausende von Komparsen engagiert, 620 000 Meter Negativfilm wurden belichtet, davon aber nur etwa 4200 Meter in der Premierenfassung verwendet.

Die Kosten beliefen sich letzten Endes auf sechs Millionen Reichsmark. Die Produktionsfirma UFA stand am Rande des Ruins und ordnete schon kurz nach der desaströsen Premiere einen neuen Schnitt des Films an. Der Schere fielen wichtige Szenen zum Opfer, und das Science-Fiction-Epos wurde radikal gekürzt.

Um die verlorenen Szenen entwickelte sich ein Mythos, und der Film erreichte trotz der Kürzungen über die Jahre Kultstatus. Denn Fritz Lang setzte mit «Metropolis» Maßstäbe. Sein Einfluss auf etliche wichtige Werke des Science-Fiction-Genres ist vielen davon anzusehen: Spielfilmen wie George Lucas' «Star Wars», Ridley Scotts «Blade Runner» oder Alex Proyas' «Dark City» sind die Spuren anzumerken, die «Metropolis» im ästhetischen Gespür zahlreicher Filmschaffender hinterlassen hat.

Nachdem vor drei Jahren in Argentinien eine Kopie mit etwa 25 Minuten der fehlenden Sequenzen entdeckt wurde, begann die aufwendige Restaurierung. Die Qualitätsunterschiede der ergänzten Szenen sind zwar nach wie vor deutlich, aber das neue, alte «Metropolis» ist ein Muss für Cineasten.

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