Bratislava (dpa) - Berauscht von der nächsten magischen Eishockey-Nacht greifen Deutschlands Puck-Helden bei der WM in Bratislava nach den Sternen.

Erst den Rekordweltmeister geschockt, nun den Gastgeber zermürbt - nach dem spektakulären 4:3 über Mitfavorit Slowakei kündigte Stürmer Felix Schütz an: «Wenn wir diese beiden Mannschaften geschlagen haben, können wir auch jede andere schlagen.» Mit sechs Zählern machte das furios aufspielende Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nicht nur den Aufstieg zur Zwischenrunde perfekt, sondern auch einen großen Schritt Richtung Viertelfinale. «Das waren schon zwei absolute Ausnahmeleistungen», lobte Trainer Uwe Krupp.

Das letzte Vorrundenspiel am Dienstag gegen Slowenien, bei dem wieder Dennis Endras turnusmäßig anstelle von Dimitri Pätzold ins deutsche Tor rückt, hat nur noch statistischen Wert. Am Gruppensieg der DEB-Cracks ändert die Partie nichts. Dabei hatten vor der WM noch alle das Match gegen den Aufsteiger als Abstiegs-«Endspiel» auserkoren.

«Das ist unfassbar», stammelte John Tripp, einer von vier deutschen Torschützen beim Geniestreich gegen das mit Weltstars gespickte slowakische Team, in den Katakomben der Arena von Bratislava. «Was wir in den beiden Spielen geleistet haben, ist großartig», analysierte Daniel Kreutzer, «wir sind als Mannschaft gereift».

Kaum Worte für das sonntagabendliche Spektakel fand DEB-Präsident Uwe Harnos, der aus der Kabine vermeldete: «Die drehen völlig durch!» Die slowakischen NHL-Superstars um Stanley-Cup-Sieger Marian Hossa teilweise völlig entzaubert, 4:0 geführt, das 4:3 kassiert, und mit letzter Kraft den Sieg gerettet: Die WM 2011 schickt sich an, die Eishockey-Heim-Party vor einem Jahr, das Rekordmatch in der Schalker Fußball-Arena mit knapp 78 000 Zuschauern und den überragenden vierten Platz in den Schatten zu stellen.

«Ich fand Schalke schon Wahnsinn, das Halbfinale gegen Russland war Wahnsinn, aber was hier los ist, ist noch wahnsinniger», sagte Harnos jubelnd. Vor allem das letzte Drittel entwickelte sich zu einem Drama, als die Slowakei angepeitscht von 9303 Fans zur Aufholjagd blies. «Der Orkan war gewaltig», meinte Sportdirektor Franz Reindl, und verriet lächelnd über seinen Gemütszustand nach dem im Finish noch gefährdeten Sieg: «Der Alterungsprozess ist fortgeschritten.» Krupp sagte: «Das war eines der härtesten dritten Drittel meiner Karriere.»

Die Eishockey-Welt verneigt sich vor den Deutschen. Slowaken-Trainer Glen Hanlon erkannte «die Fortsetzung von den Spielen im letzten Jahr». Die Tageszeitung «Hospodarske noviny» stellte fest: «Die Slowaken bekamen von Deutschland eine Ohrfeige.» Das Webportal «topky.sk» nannte die genialen 20 Minuten mit den Treffern von Marcel Müller (25.), Tripp (34.), Frank Hördler (37.) und Schütz (45.) den «deutschen Vier-Tore-Hurrikan» und auf der Turnier-Homepage stand: «Vielleicht war Deutschlands vierter Platz 2010 gar kein Zufall.»