Washington (dpa) - Die USA im Freudentaumel: Mitten in der Nacht feiern jubelnde Massen den Tod des Terror-Chefs Osama bin Laden. In der Hauptstadt Washington gleicht das Gelände rund um das Weiße Haus zu später Stunde einem tosenden Volksfest.

Trommeln, Trillerpfeifen und Hupkonzerte begleiten wilde Freudentänze. Auch am Ground Zero, wo vor knapp zehn Jahren das Unfassbare passierte, feiern die Menschen.

«USA,USA!», tönen in der Nacht zum Montag (Ortszeit) Sprechchöre durch Meere amerikanischer Flaggen. «Wir haben ihn! Wir haben unsere Gerechtigkeit», rufen die Menschen unisono. «Endlich ist es vorbei», sagen sie etwas leiser zueinander. Zu der Zeit läuft die Ansprache von Präsident Barack Obama im Fernsehen noch. Die Kunde vom Tod des gehassten Terroristen hat sich rasend schnell verbreitet.

«Wir haben's am Fernsehen gesehen und ich habe gleich meine Mutter angerufen», sagt Kimberly Kelly. Sie war gerade mal acht Jahre alt, als die Flugzeuge am 11. September 2001 in die Zwillingstürme flogen. Heute ist sie Studentin und mit ihren Kommilitonen zum Ground Zero gekommen. Sie ist auf einen Laternenmast geklettert und schwenkt wie so viele um sie herum eine Flagge. «Ich habe Mom gesagt, sie soll Dad wecken - er hat den Anschlag miterlebt. Ich wünschte, ich könnte seine Reaktion sehen.»

«9/11 hat mein Leben auf schreckliche Weise verändert», sagt ein Feuerwehrmann, der am Ort des Geschehens der Opfer gedenkt. Ihm sind die Bilder der Al-Kaida-Anschläge noch allzu gut in Erinnerung. «Aber heute haben wir Gerechtigkeit erfahren. Es ist Krieg, und ich fühle: Wir haben gewonnen.»

Unter die Jubelnden haben sich auch viele Auswärtige gemischt - wie drei junge Männer aus Israel, die seit kurzem in New York studieren. «Wir sind so glücklich», sagt Jonny in gebrochenem Englisch. Mehr bekommt er nicht heraus. Einige Kilometer entfernt am Times Square haben sich weitere Menschen versammelt; auch viele Touristen sind ins Herz Manhattans geströmt. «Ich dachte, wir würden Osama niemals fangen», stammelt ein sichtlich gerührter Mann. «Und heute überwältigt die Nachricht die ganze Nation.»

Rund um das Weiße Haus feiert die Menge lautstark Präsident Obama. «Er hat die nächste Wahl schon gewonnen», strahlt ein Washingtoner. Menschen aller Nationen und Hautfarben umarmen sich und stimmen mit Sprechchören und Liedern in die Hupkonzerte der Autokorsos ein. «Ich habe die Nachricht im Fernsehen gehört und bin aus dem Bett gesprungen, um sofort hier zu sein», sagt eine Frau in Jogginghosen. Neben ihr ein Mann im Smoking, der gerade von einer Abendgala kommt.