Rom/Washington (dpa) - Gespräch zwischen Himmel und Erde: 20 Minuten lang hat Benedikt XVI. als erster Papst mit Astronauten im Weltraum telefoniert.

«Ich bin sehr glücklich über diese außerordentliche Gelegenheit, mit Euch zu sprechen», begrüßte der deutsche Pontifex am Samstag bei der Live-Schaltung aus dem Vatikan die Raumfahrer. «Willkommen an Bord, Eure Heiligkeit», grüßten die sechsköpfige Crew der ISS und die sechs Astronauten der angedockten US-Raumfähre «Endeavour» zurück.

In dem herzlich-freundschaftlichen Gespräch ging es um die Probleme des «blauen» Planeten Erde, aber auch um Spielereien mit der Schwerelosigkeit. Der Papst konnte die Gruppe auf einem Bildschirm vor sich zusammengedrängt sehen.

Nach dem Vergnügen rief für die Astronauten dann wieder die - auch nicht gerade alltägliche - Arbeit. Am Sonntag stiegen die beiden «Endeavour»-Crewmitglieder Drew Feustel und Mike Fincke zu Reparatur- und Wartungsarbeiten an der ISS ins All aus. Bei ihrem mit rund siebeneinhalb Stunden ungewöhnlich langen «Weltraumspaziergang» füllten sie ein Kühlsystem auf und installierten eine Kamera.

Probleme gab es, als sie das Drehgelenk an einem Sonnensegel schmieren wollten. Beim Öffnen von Abdeckungen flogen plötzlich lose Schrauben in der Schwerelosigkeit umher. Mindestens eine «ist in den Himmel verschwunden», wie Fincke der Bodenkontrolle meldete. Die meisten konnte er geistesgegenwärtig auffangen.

Vor dem Gespräch mit dem Papst hatten Astronauten mit Hilfe des «Endeavour»-Kranarmes dreidimensionale Aufnahmen von einer beim Start beschädigten Stelle am Shuttle-Hitzeschild gemacht - einem 8,1 mal 6,4 Zentimeter großen Riss. Die Aufnahmen wurden zur Analyse ins Nasa-Kontrollzentrum in Houston (Texas) geschickt und dort für unbedenklich erklärt. Einem sicheren Wiedereintritt des Shuttle in die Erdatmosphäre am 1. Juni stehe nichts im Wege, hieß es.

Der Papst ließ sich zum Auftakt eine kleine Ansprache nicht nehmen, die er jedoch mit einem Augenzwinkern beendete: «Dies ist ein Gespräch, deswegen kann ich hier nicht als einziger reden.» Im Übrigen sei er «sehr neugierig» darauf, die Erfahrungen und Gedanken der Weltraum-Mannschaft zu hören.