München (dpa) - Ein überdimensionaler Koffer steht auf der Bühne und öffnet sich langsam - darin sitzt Zucchero auf einem goldenen Thron. Licht in blau und pink strahlt auf den italienischen Schmuserocker, der seine rauchige Stimme erhebt.

Er singt das erste Lied seines neuen Albums «Chocabeck»: «Un soffio caldo» - ein warmer Atemhauch heißt es. Samstagabend feierte er in der Münchner Olympiahalle den Auftakt seiner Deutschlandtournee.

Der Sänger trägt, wie fast immer, einen Hut, unter dem die rote Zottelmähne hervorlugt, sein rundes Bäuchlein ragt aus dem schwarzen Jackett. Der 55-Jährige ist sichtbar in die Jahre gekommen und wirkt dadurch vielleicht noch mehr wie eine Fantasiegestalt aus Alice im Wunderland. «Ich bin immer noch der Alte», sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor dem Konzert.

Beim vierten Song - «E'un peccato morir» (Es wäre schade zu sterben) - erhebt sich Zucchero erstmals, und mit ihm die über 8000 begeisterten Zuschauer, die mit italienischen Fahnen nach vorne stürmen. Die Ordner haben Mühe, das temperamentvolle und tanzwütige Publikum auf seine Plätze zurückzuschieben. Die Bühne ist pompös gestaltet, im Hintergrund laufen kitschige Videoinstallationen. Unzählige bunte, funkelnde Schmetterlinge fliegen darauf durch eine toskanische Landschaft. Weiße und rosafarbene Luftballons kommen von der Decke.

Seine überwiegend älteren Zuschauer sind entzückt. Willkommen in Zuccheros Utopia. «Das Album ist sehr persönlich und erzählt von meinen Wurzeln», sagt er. «Ich wollte über einen Ort singen, der voller Wärme ist. Wo Menschen herzlich sind und einander helfen - und da ist mir das zu Hause meiner Kindheit eingefallen, Reggio nell'Emilia.» Dort in der Toskana lebt Zucchero auch heute noch und baut Wein und Gemüse an. «In meinen Träumen ist die Welt ein Dorf, und die Menschen sehen alles durch die Augen eines Kindes.» Er weiß, dass er eine naive Vorstellung hat, aber er sei nun mal ein Hippie: «Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang sollen sich alle lieben.»

Seine Karriere startete Zucchero, gebürtig Adelmo Fornaciari, vor 41 Jahren. Berühmt wurde er mit Welthits wie «Senza una donna» (1991). Der Titel des Albums «Chocabeck» ist im Dialekt seiner Heimat in der Toskana eine Ausdruck dafür, dass der Schnabel ins Leere pickt - es ist nichts zu essen da. In dem gleichnamigen Titelsong erzählt er von seiner Kindheit und dem idyllischen Leben auf dem Dorf.

Während seines zweistündigen Auftritts sang der Schmuserocker eine Mischung aus Soul, Blues, Rock und Dancepop. Im zweiten Teil spielte er Hits wie «Misere», den er 1992 gemeinsam mit Luciano Pavarotti aufnahm. Zum Abschied fiel eine Ladung Konfetti auf die Zuschauer herab, auf der Videoinstallation gurrten weiße Tauben. Von allem gab es an diesem Abend ein bisschen zu viel, doch für Zucchero-Fans war es wohl genau die richtige Mischung.