Barcelona (dpa) - Auf diesen Rummel hätte Adrian Sutil gern verzichtet. Beim Großen Preis von Spanien war der Formel-1-Pilot das Tuschelthema Nummer 1. Die drohende Anzeige wegen schwerer Körperverletzung machten dem als Feingeist bekannten Hobbypianisten in Barcelona sichtlich zu schaffen.

Dazu kommt der Frust über die Dauerprobleme mit seinem lahmen Force-India-Boliden. Der 28-Jährige steckt in der Bredouille, Experten sorgen sich gar um Sutils Karriere. «Natürlich ist es zur Zeit etwas schwieriger», bekannte der Gräfelfinger, der als 13. erneut punktlos blieb.

Die Notlage setzt Sutil ziemlich zu. Lotus-Renault-Mitbesitzer Eric Lux will ihn anscheinend unbedingt zur Rechenschaft ziehen, nachdem Sutil den Belgier im April nach dem Großen Preis von China bei einer privaten Feier in einem Club in Shanghai verletzt hat. Dies wird von Sutil und seinem Manager Manfred Zimmermann auch gar nicht dementiert. Allerdings sprechen beide von einem Unfall, zu der Verletzung sei es «vollkommen unabsichtlich» gekommen.

Gesprächsversuche mit Lux scheiterten jedoch. Wenige Tage vor dem Barcelona-Rennen kündigte der Millionär an, Sutil anzuzeigen. «Der Vorfall ist jetzt vier Wochen her, aber bis heute gibt es nur Pressemeldungen und sonst nichts», monierte Zimmermann. Klar ist: Je länger das Thema köchelt, desto bedrohlicher wird die Situation für Sutil. Force India stellte nach längerem Schweigen zumindest klar, dass Sutil in Barcelona fahren werde. Mehr nicht.

«Man muss das Team verstehen, dass sie die Situation beobachten. Es wurden ja sehr viele Räuberpistolen in den Medien verbreitet, im Internet», wiegelte Zimmermann ab. Dass Sutil-Lager fährt ansonsten die «No Comment»-Strategie. Auch Sutil-Kumpel Lewis Hamilton, der bei dem Vorfall in Shanghai mit dabei war, wollte bislang nichts sagen.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Sutil, der eigentlich nicht als «Haudrauf» bekannt ist, soll Lux mit einem Glas eine stark blutende Wunde am Hals zugefügt haben. Vor allem aus dem großen deutschen Formel-1-Lager bekommt Sutil Zuspruch. «Ich weiß nur, dass ich diesen Mann nicht als Aufmischer oder Schläger kenne», verteidigte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug Sutil in Barcelona.

Doch Lux will Sutil angeblich nicht ohne empfindliche Strafe davonkommen lassen. Gleich in vier Ländern will er offenbar Anzeige erstatten. Zudem berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» von einem kuriosen Vorschlag des Geschäftsmanns: Sutil solle sich öffentlich entschuldigen, für wohltätige Zwecke spenden und auf einige Rennen verzichten. Manager Zimmermann dementiert dies nicht, sagt aber mit Nachdruck: «Ich kann bestätigen, dass wir auf keinen Grand Prix verzichten werden.»