Ingolstadt (dpa) - Bundestrainerin Silvia Neid war «total zufrieden», doch die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft ist noch nicht in weltmeisterlicher Form. Fünf Wochen vor dem WM-Auftakt in Berlin gegen Kanada tat sich der Titelverteidiger beim 2:0 (0:0) gegen Nordkorea lange schwer.

Nach dem ersten von vier Härtetests muss Neid nun ihren Kader reduzieren - eine ganz schwierige Aufgabe für die 47-Jährige. «Ich hab' mich noch nicht ganz entschieden. Wir lassen uns bis zum Schluss wirklich alles offen», erklärte Neid in Ingolstadt und offenbarte ihr Dilemma: Sie schwanke jeden Tag. «Heute die, gestern die», so sei ihre Meinung zu den Fünf, die rausfliegen. Das 26-köpfige Aufgebot wird am Freitag - einen Tag nach dem Champions-League-Finale zwischen Meister Turbine Potsdam und Olympique Lyon - auf 21 Spielerinnen reduziert. Die Partie selbst, so betonte die Bundestrainerin, spielt dabei keine Rolle. «Die Stimmung ist angespannt, aber wir gehen damit professionell um», sagte Spielführerin und Rekordnationalspielerin Birgit Prinz.

Gegen den dreimaligen Asienmeister, WM-Teilnehmer und FIFA- Weltranglisten-Achten setzte Neid 17 Akteurinnen ein. Vor 8756 Zuschauern im Audi Sportpark erzielten Kim Kulig (59./Foulelfmeter) und Celia Okoyino da Mbabi (85.) die Tore. Für den endgültigen Kader empfehlen konnten sich unter anderem Außenverteidigerin Verena Faißt vom VfL Wolfsburg und die Duisburgerin Annike Krahn, der nach ihrem Kreuzbandriss vom 10. August 2010 noch die Spielpraxis fehlt.

«Die Verena hat ein gutes Spiel gemacht, aber das hat sie auch schon gegen Nigeria getan», sagte Neid über Faißt. «Sie hat sehr viel dazugelernt, ist robuster geworden im Zweikampf.» Auch Abwehrchefin Krahn habe ihre Sache «sehr gut gemacht». Keine großen Sorgen macht sich die Bundestrainerin wegen Inka Grings: Die Duisburger Stürmerin fehlte wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel. «Ich glaube, dass sie spätestens am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann», sagte Neid.

Auf dem Weg zum erhofften dritten WM-Titel hat die Mannschaft noch einige Arbeit vor sich - gerade das Angriffsspiel soll in den kommenden Tagen beim insgesamt bereits fünften Lehrgang in Herzogenaurach verbessert werden. «Das Abwehrverhalten war ganz gut. Ansonsten hat man gesehen, dass noch ein Stück fehlt bis zur WM», sagte die Frankfurterin Prinz. Auch Neid räumte ein: «Insgesamt war es schwer, gegen Nordkorea zu spielen. In der ersten Halbzeit haben wir nach Ballgewinnen nicht so den richtigen Weg gefunden, wie wir uns durchspielen können. Aber wir sind voll im Plan.»

Für Torschützin Kulig gab es wenig zu meckern: «Man hat uns die Spielfreude angesehen. Wir waren richtig heiß.» Weiter einspielen für die WM-Endrunde kann sich die DFB-Auswahl am 3. Juni in Osnabrück gegen Italien. Dann geht's noch am 7. Juni in Aachen gegen die Niederlande und am 16. Juni in Mainz gegen Norwegen, ehe am 26. Juni gegen Kanada das erste WM-Gruppenspiel ansteht. «Wir fiebern auf die WM zu», meinte Prinz. «So langsam geht's auf die heiße Phase zu.»