Bremen (dpa) - Bremens Wahlsieger Jens Böhrnsen ist kein Mann der lauten Worte. Gelassen und sachlich tritt der Sozialdemokrat auf. Im politischen Berlin hält er sich eher zurück.

Erst der Rücktritt von Bundespräsident Köhler im vergangenen Mai, den er bis zur Wahl von Christian Wulff als amtierender Vorsitzender des Bundesrates vertreten musste, brachte ihm bundesweite Aufmerksamkeit. In der Hansestadt punktet er dagegen gerade mit seiner bescheidenen Art.

«Böhrnsen wählen», hieß es schlicht auf den Plakaten. Der 61-Jährige ist inzwischen Aushängeschild der Bremer SPD. Dabei trat er 2005 ein schweres Erbe an: Er folgte Henning Scherf auf dem Chefsessel im historischen Rathaus, der auch über die Landesgrenzen hinweg als Sympathieträger galt. Zuvor hatte sich der Jurist bei einer parteiinternen Befragung gegen den früheren Senator und Ex-Manager des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, Willi Lemke, durchgesetzt.

Nicht als liebevoller Landesvater, sondern als fleißiger und akribischer Arbeiter verschaffte sich Böhrnsen in den vergangenen Jahren allgemeinen Respekt. Nach der Landtagswahl 2007 beendete er nach zwölf Jahren die Koalition mit der CDU und holte die Grünen als Juniorpartner an seine Seite. Auch diesmal läuft alles auf ein rot-grünes Regierungsbündnis hinaus.

Die Vormacht der SPD ist an der Weser nach 66 Jahren immer noch ungebrochen - und an Böhrnsen beißt sich die Opposition die Zähne aus, meint Parteienforscher Lothar Probst. «Er bietet wenig Angriffsfläche.» Der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist mit Leib und Seele Sozialdemokrat. Er stammt aus einer Bremer Arbeiterfamilie. Schon seine Eltern waren Gewerkschafter und in der SPD.

Dass er einmal eine politische Karriere einschlagen werde, sei trotzdem nicht von Anfang an klar gewesen, betont Böhrnsen. Für sein Jura-Studium ging er nach Kiel und Hamburg, kehrte später aber wieder an die Weser zurück und wurde Richter. Seit 1967 ist er Mitglied der SPD. Seit 1995 sitzt Böhrnsen in der Bürgerschaft, von 1999 bis 2005 führte er die SPD-Fraktion als Vorsitzender.

Regierungschef möchte Böhrnsen nach eigenen Angaben noch länger bleiben. Sein wichtigstes politisches Anliegen ist neben der Sanierung der maroden Bremer Landeskasse das Wohl der Kinder im kleinsten Bundesland. Der Tod des kleinen Kevin, der 2006 bundesweit für Entsetzen gesorgt hatte, stellt für Böhrnsen noch immer ein Trauma dar. Der Kinderschutz stehe für ihn deshalb über jeder Haushaltslage.