Bremen (dpa) - Grün, pragmatisch, volksnah - dafür steht Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert. Auf Wahlkampfplakaten nennt sich die grüne Spitzenkandidatin, die ihre Partei zu einem Wahlsieg über die CDU geführt hat, kumpelhaft «Karo».

In der Bürgerschaft zeigt sie sich oft gut gelaunt neben Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD), mit dem sie sich eigenen Angaben nach sehr gut versteht. Zur Stimmabgabe kam sie am Sonntag mit der ganzen Familie, natürlich alle auf dem Fahrrad.

Linnerts 16-jähriger Sohn durfte erstmals bei einer Landtagswahl an die Urne treten, ihre 13-jährige Tochter kam aus Interesse mit. Denn Politik ist für die studierte Psychologin nicht nur eine berufliche Angelegenheit. «Natürlich reden wir über Politik, und die Kinder wachsen in einem Haushalt auf, in einer Familie, wo es normal ist, sich für die Gesellschaft einzusetzen», sagt sie und wirkt wie bei jedem ihrer öffentlichen Auftritte ein wenig nervös und sympathisch normal.

Doch wenn es um die Haushaltspolitik geht, kann die Politikerin mit dem hennarot gefärbtem Haar knallhart sein. Sparen, Sparen und nochmals Sparen - so lässt sich ihr Kurs für das klamme Bundesland zusammenfassen. Dabei soll es ohne soziale Grausamkeiten zugehen, wie Linnert immer wieder betont. Auch Landesvermögen wie sie nicht verkaufen, auch wenn die Opposition dies stets einfordert. Eine verschlankte Verwaltung, ein massiver Stellenabbau im öffentlichen Dienst und viele kleine Posten sollen den Schuldenberg schrumpfen lassen.

Damit hat sich Deutschlands erste grüne Finanzministerin in den zurückliegenden vier Jahren nicht nur Freunde gemacht. Der Ökopartei hat das allerdings nicht geschadet. Bei den Bürgern ist sie so beliebt wie nie. Die Bodenhaftung verliert die 52-Jährige trotz allem nicht. Eine grün-schwarze Koalition lehnt sie von vornherein ab, obwohl sie dadurch sogar Regierungschefin werden könnte. Böhrnsens Stellvertreterin ist sie ja bereits.

Nur aus Machtgier werde sie kein funktionierendes Bündnis über Bord werfen, wiederholt Linnert gebetsmühlenartig. Auch wenn sie sich als Finanzsenatorin manchmal wie Sisyphos fühlt, sie liebt diese «spannende Aufgabe». Schließlich wusste sie schon vor Amtsantritt, was auf sie zukommt. Von 2003 bis 2007 leitete sie den Haushalts- und Finanzausschuss im Landesparlament.

In der Hansestadt ist die älteste Tochter eines Bielefelder Kaufmannes für ihre direkte, offene und manchmal etwas flapsige Art bekannt. In ihrer Partei gehört sie zu den Urgesteinen. Vor mehr als 30 Jahren gründete sie die Grünen an der Weser mit. Seit 1991 sitzt sie im Landtag, von 2000 bis 2007 war sie Fraktionsvorsitzende. Im Mai 2007 führte sie ihre Partei als Spitzenkandidatin in die Regierung.