Köln (dpa) - Für jeden Menschen kommt der Moment, in dem er feststellt, dass seine Sternstunde nicht mehr vor ihm, sondern bereits hinter ihm liegt. Bei Lena Meyer-Landrut könnte sich dieses Gefühl bereits einstellen, wenn sie am 23. Mai ihren 20. Geburtstag feiert. Gibt es ein Leben nach dem Eurovision Song Contest?

2010 war ihr Wunderjahr. Siegerin des Casting-Wettbewerbs «Unser Song für Oslo». Siegerin in Oslo selbst. Deutschland Einig-Lena-Land. Dann kam die Fußball-Weltmeisterschaft, und Lena war eine angenehme Erinnerung. Dieses Jahr kehrte sie noch mal zurück und belegte den zehnten Platz beim ESC. Im Grunde nicht schlecht. Aber die Li-La-Lena-Zeit ist Geschichte. Es hatte schon etwas von einem Appell, als sie sich unmittelbar nach der Düsseldorfer Eurovision-Show in einem ARD-Interview plötzlich an das Publikum wandte, ganz direkt in die Kamera blickte und sagte: «Ich hoffe, dass wir noch ganz lange zusammenbleiben.»

«Ein solcher Erfolg in jungen Jahren ist sehr problematisch», meint der Kölner Psychologieprofessor Egon Stephan. «Unter dieser Bedingung fällt es schwer, Hoffnung darauf zu haben, dass es noch schöner und besser wird. Hinzu kommt, dass die Ziele, die in den Massenmedien als wichtigste hingestellt werden - Geld und Ruhm - in dem Augenblick, wo man sie erreicht hat, eine "Entzauberung" erleiden. Sie stellen sich als viel weniger begehrenswert heraus als allgemein erwartet wird.»

Auf ein solches Hoch, wie es Lena erlebt hat, folgen nach Einschätzungen von Psychologen fast zwangsläufig «depressive Nachschwankungen». Im Volksmund «schwarzes Loch» genannt. Allerdings liege es ganz an Lena, ob diese Phase der Ernüchterung für sie zum Problem werde. «Die Lena macht ja einen ganz patenten Eindruck», sagt der Berliner Psychologe Prof. Peter Walschburger. Er tippe mal darauf, dass sie das wegstecken könne, auch mit Hilfe von Beratern wie Stefan Raab. «Sie darf sich jetzt nur nicht von außen leiten lassen, von den Medien, die ja immer nur Spitzenereignisse honorieren, sondern von der inneren Autonomie, die ihr mit dem Erfolg zugewachsen sein dürfte.»

Manche können ein Leben lang von einem Erfolg in jungen Jahren zehren. Und Lena ist sicher nicht die Erste in dieser Situation: «Denken wir etwa an viele ehemalige Leistungssportler, deren Karrierehöhepunkt auch oft im späten Jugend- und frühen Erwachsenenalter lag», gibt Prof. Martin Pinquart aus Marburg zu bedenken. Außerdem könne keiner wissen, wozu Lena noch so alles fähig sei.

Was bisher über ihre Zukunftspläne bekannt geworden ist, klingt recht vernünftig: Sie will dieses Jahr noch einmal auf Tournee gehen, aber nicht mehr durch die Riesenarenen, sondern durch kleinere Konzerthallen. Außerdem schwebt ihr noch was ganz anderes vor: «Vielleicht irgendwie Ausland, vielleicht aber auch hierbleiben und irgendwas studieren oder auch gar nichts.» Selbst ein Theologiestudium ist drin. «Ich finde das total interessant - irgendwas mit Religion oder so.»

Und dann besteht das Leben ja irgendwie auch nicht nur aus Arbeit. Die private Lena lebt seit einem Jahr in Köln mit ihrem Freund zusammen, über den sie nur sagen will, dass er «ein guter Mensch» ist. Der Dritte im Bunde ist von diesem Montag an ein Hund namens Fuzi. Klein, weiß und kuschelig: «Das allerschönste Geburtstagsgeschenk, das es auf der ganzen Welt gibt.»