Monte Carlo (dpa) - Kalender-Chaos in der Königsklasse: Knapp ein Drittel der Saison ist schon vorbei und noch immer steht nicht fest, ob 19 oder doch erstmals 20 Formel-1-Rennen gefahren werden.

Der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA entscheidet am 3. Juni, ob der im März wegen der politischen Unruhen gestrichene Große Preis von Bahrain wieder ins Programm rückt. Zwischen Chefpromoter Bernie Ecclestone und den Teams tobt ein Machtkampf.

Ecclestones Plan, die Premiere in Indien ans Saisonende zu verschieben und dafür Bahrain auf den bisherigen Delhi-Termin am 30. Oktober zu platzieren, stößt auf breiten Widerstand bei den Rennställen. «Es wäre hart für unsere Mitarbeiter, wenn die Saison verlängert würde», sagte Martin Whitmarsh, der Vorsitzende der Teamvereinigung FOTA, in Monte Carlo. «Die neue Saison beginnt schon wieder Mitte Januar mit dem Bau der neuen Autos und dem Testbetrieb.»

Das Finale 2011 könnte in dem Fall wohl erst am 11. Dezember, also zwei Wochen vor Weihnachten, stattfinden. Ecclestones Alternative, auf dem neuen indischen Kurs am 4. Dezember zu debütieren, scheint aus logistischen Gründen nicht realisierbar: Nach dem aktuellen Kalender endet die Saison am 27. November in Sao Paulo und ein paar Tage reichen nicht, um die Materialmassen rechtzeitig nach Delhi zu transportieren.

«Der Kurs ist fast fertig und wird rechtzeitig bereit sein», versicherte der indische Force-India-Teambesitzer Vijay Mallya in Monaco. Allerdings hätten die jüngsten Berichte, dass der Große Preis von Indien im Fall einer Wiederaufnahme Bahrains auf Dezember verschoben werden könnte, «zu Hause für viele Fragezeichen gesorgt», sagte Mallya. Ob aber die Premiere wie geplant am 30. Oktober oder später über die Bühne gehe, bereite keine Probleme.

Äußerst problematisch wäre angesichts der politisch weiterhin angespannten Lage allerdings ein Grand Prix im Königreich Bahrain. Zwar soll der monatelange Ausnahmezustand nach den Aufständen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen den sunnitischen Herrscherclan am 1. Juni aufgehoben werden. Ruhe und politische Ordnung wären dadurch aber nicht garantiert.

Nach Zeitungsberichten soll die Mehrzahl der beim Formel-1-Lauf beschäftigten Menschen im Gefängnis sein. Erst vor kurzem gab es zwei weitere Todesurteile. Ecclestone beschwichtigte dennoch zynisch: «Die Bahrainis sind nette Leute.»