Cottbus (dpa) - Jos Luhukay kennt die Situation bestens. Ein einziger Schritt fehlt dem niederländischen Trainer und seinem Club FC Augsburg noch, um als 51. Verein in der Geschichte der Bundesliga zum Kreis der deutschen Fußball-Elite zu gehören.

«Ich weiß, was jetzt in den Köpfen der Spieler vorgeht», sagte Luhukay nach dem 1:1 bei Energie Cottbus, das dem FCA die Erstliga-Tür weit offen ließ. «Ich bin froh, dass wir der Drucksituation standgehalten haben», kommentierte der Augsburg-Coach erleichtert das Remis.

Luhukay will in den wenigen Tagen bis zum Heimspiel am Sonntag gegen den FSV Frankfurt alles Wenn und Aber von seinen Profis fernhalten. Alle Ausblicke auf Feierlichkeiten blockt er ab. Als Assistenztrainer des 1. FC Köln und als Chefcoach von Borussia Mönchengladbach hat der 47-Jährige schon reichlich Erfahrung mit der Extremsituation gesammelt. «Für uns ist es jetzt nicht so einfach. Wir müssen uns total fixieren und professionalisieren», forderte Luhukay schon kurz nach dem Match in Cottbus.

Drei Punkte und 21 Tore steht Augsburg als Tabellenzweiter der 2. Bundesliga vor dem Dritten Bochum. Ein «Dreier» am Sonntag würde praktisch reichen. «Ab sofort gilt unsere ganze Konzentration dem kommenden Sonntag. Da muss ganz Augsburg beben», erklärte Manager Andreas Rettig nach den 90 nervenaufreibenden Minuten in Cottbus.

Die Partie in der Lausitz zeigte die Gefahren. «Im Laufe des Spiels haben wir die Präzision verloren», gestand Kapitän Uwe Möhrle, der wie Stephan Hain und Simon Jentzsch schon sein Bleiben in Liga eins vertraglich besiegelt hat. Nach der Elfmeter-Führung durch Nando Rafael (16. Minute), der sein 14. Saisontor erzielte, und 30 souveränen Minuten ließen sich die Augsburger von der Wucht der Cottbuser und dem Ausgleich durch Emil Jula (51.) noch beeindrucken.

«Die Motivation wird unglaublich groß sein. Die Spannung wird extrem sein», blickte Luhukay schon auf das Match gegen den Tabellenzwölften Frankfurt, der zuletzt in Duisburg eine 0:4-Packung kassiert hatte. «Die können wir nicht im Vorbeigehen schlagen», warnte der Coach und erinnerte an die jüngste Heimpleite gegen Aachen. Auch da hatte zuvor der Kontrahent hoch verloren: «Frankfurt hat nichts zu verlieren und will die deftige Niederlage wettmachen.»

Lange Zeit war der FCA, der in der 2. Liga einen Etat von 20 Millionen Euro stemmte und für die 1. Liga mit 30 Millionen Euro plant, souverän Richtung Aufstieg marschiert. Zehnmal war Augsburg unbezwungen geblieben. Jetzt könnte doch noch einmal die Relegation drohen, die im Vorjahr gegen den 1. FC Nürnberg verloren gegangen war. «Wir dürfen uns nicht durch die extreme Euphorie anstecken lassen und den Fußball aus dem Auge verlieren. Sonst wird es eine extreme Zitterpartie in Berlin», sagte Luhukay. Zum Saisonausklang muss Augsburg am 15. Mai beim schon feststehenden Aufsteiger Hertha ran - 76 000 Zuschauer werden dabei sein.