ProzesseLeyendecker: Schwarzer hat Renommee verloren

Berlin (dpa) - «Bild»-Kolumnistin Alice Schwarzer hat nach Ansicht von «Süddeutsche»-Autor Hans Leyendecker mit ihrer Berichterstattung über den Kachelmann-Prozess jegliches journalistisches Renommee verloren.

«Die war ja nicht Berichterstatterin, sondern die hat sich selbst zum Mittelpunkt gemacht», kritisierte Leyendecker am Dienstag im Deutschlandfunk. «Sie hat eine These gehabt, an der hat sie immer festgehalten.» Die 68-jährige Feministin habe sich nicht an die journalistischen Grundsätze wie Objektivität gehalten, sondern immer nur den einen Film abgespielt, egal was passierte.

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«Emma»-Verlegerin Schwarzer hatte für die «Bild»-Zeitung über den Prozess gegen Jörg Kachelmann wegen schwerer Vergewaltigung seiner Ex-Freundin geschrieben und sich dabei deutlich auf die Seite der Frau gestellt. Hans Leyendecker (62) arbeitete unter anderem für den «Spiegel» und nun für die «Süddeutsche Zeitung». Der Zweite Vorsitzende der Journalisten-Initiative «Netzwerk Recherche» ist für seine investigativen Berichte bekannt.

Allgemein sagte Leyendecker: «Die Gerichtsreportage ist ja so ein Schmuddelkind.» Vielen Gerichtsreportern fehle die Professionalität. Die Unschuldsvermutung und die Tatsache, dass zig Ermittlungsverfahren eingestellt werden, würden immer stärker außer Acht gelassen. Das Dilemma sei, dass Zuschauer und Leser glaubten, das Ermittlungsverfahren sei schon ein Urteil.

«Das Interessante ist ja auch, dass mittlerweile Gerichtsreporter auch Talkshowbewohner geworden sind», kritisierte Leyendecker weiter. «Der Gerichtssaal ist ja längst hinter uns gelassen worden.» Dieselben Menschen spulten dort das runter, was sie immer runtergespult haben. «Man ist überall in der Gesellschaft und schwätzt überall. (...) Auch über Dinge, die man gar nicht kennt.»

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  • Quelle dpa