Gesundheit EHEC-Infektionen steigen wieder rapide an

Hamburg/Berlin/Brüssel (dpa) - Die Darmseuche EHEC breitet sich wieder rapide aus. Innerhalb eines Tages stieg die Zahl der gemeldeten EHEC-Infektionen und -Verdachtsfälle bundesweit von rund 1500 auf 2000.

Zugleich tappen die Experten auf der Suche nach der Quelle des gefährlichen Erregers völlig im Dunkeln. Es gebe keinen Anlass für Entwarnung, unterstrich der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, bei einer Sondersitzung des Bundestags-Verbraucherausschusses am Mittwoch in Berlin. Die Quelle sei unbekannt, und es sei nicht auszuschließen, dass sie weiter zu Infektionen führe. Erst in einigen Tagen werde sich zeigen, ob die Warnungen vor rohem Gemüse die Infektionen gebremst haben.

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Niedersachsen meldete einen weiteren EHEC-Todesfall. Bereits am Sonntag starb dort eine 84 Jahre alte Patientin an der schweren EHEC-Komplikation HUS. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) kann zu lebensgefährlichen Nieren- und Nervensystemschäden führen. Damit sind bundesweit 16 Todesfälle registriert, 14 davon waren Frauen.

Vor allem in Norddeutschland stieg die gemeldete Zahl der bestätigten Erkrankungen und der Verdachtsfälle sprunghaft an. Niedersachsen meldete am Mittwoch 344 Verdachtsfälle, das sind 80 mehr als am Vortag. «Wir verzeichnen wieder einen deutlichen Anstieg der Erkrankungsfälle durch EHEC und HUS», sagte auch Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Dort gebe es 668 EHEC-Fälle oder Verdachtsfälle, 119 mehr als am Vortag.

Schleswig-Holstein meldete einen Anstieg um rund 100 Fälle auf 458 bestätigte EHEC-Infektionen. Sorge bereitet den Ärzten dort ein starker Anstieg neurologischer Komplikationen. «Wir haben Patienten, die überhaupt keinen Durchfall haben, aber schwere neurologische Symptome», schilderte der Kieler Klinikdirektor Prof. Ulrich Kunzendorf. Ein Beispiel sind epileptische Anfälle.

Experten suchen unterdessen weiter fieberhaft nach der Quelle der Erreger: «Man kann derzeit gar nichts ausschließen», erklärte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im ZDF-Morgenmagazin. Die Lieferwege müssten zurückverfolgt, Lieferlisten ausgewertet werden.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei sehr unwahrscheinlich, wenn man normale Hygieneregeln einhalte, erläuterte Prüfer-Storcks. «Sehr viel wahrscheinlicher ist wirklich die Primärinfektion über ein Lebensmittel, das man zu sich nimmt.» RKI-Präsident Burger mahnte aber insbesondere bei der Pflege erkrankter Angehöriger zu strikter Hygiene. Das gelte auch für Krankenhauspersonal. Mittlerweile gebe es «erste Hinweise, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgen kann».

  • Quelle dpa
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