Brüssel (dpa) - Es gibt keine Beweise, aber viele Vermutungen: Ein Restaurant in Lübeck könnte ein Ausbruchsort der EHEC-Welle sein. Die EU bietet Deutschland bei der Suche nach der Infektionsquelle Hilfe an und will mit einer EHEC-Internetplattform die Fahndung unterstützen.

Ein Lübecker Restaurant rückt als eine mögliche Quelle der EHEC-Welle immer stärker in den Fokus. Auch EU-Experten warten auf Testergebnisse aus dem Lokal. Das teilte die EU-Kommission am Samstag in Brüssel mit.

EU-Kommissar John Dalli bot an, EU-Experten nach Deutschland zu schicken. Sie könnten «den kompetenten deutschen Behörden» bei der Suche nach dem Ursprung der Infektion helfen - «Ergebnisse überprüfen und zu den fortlaufenden Untersuchungen beitragen, um die Identifizierung der Quelle zu beschleunigen». Dalli stehe seit Tagen in Kontakt mit den deutschen Ministern für Landwirtschaft und Gesundheit.

Vorausgegangen war am Freitag eine Telefonkonferenz mit Vertretern der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), anderer EU-Behörden und der Mitgliedstaaten. Salat gelte weiterhin als eine mögliche EHEC-Quelle, hatte Deutschland den Teilnehmer mitgeteilt. Hier stünden aber noch Testergebnisse aus.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit habe aktuelle Informationen über mehrere Salat-, Gurken- und Tomatenproben geliefert. Bei keiner dieser Tests konnten bislang EHEC-Erreger nachgewiesen werden. Auch Spanien lieferte aktuelle Daten aus mehr als 50 Lebensmittelproben, die alle negativ ausgefallen waren.

Das EU-Referenzlabor für das Darmbakterium Escherichia coli in Rom habe einen Schnelltest entwickelt, mit dem der gefährliche Typ des Erregers O104 auf Lebensmitteln binnen zwei bis drei Tagen nachgewiesen werden kann. Das nötige Know-how sei an die Labore der Mitgliedsstaaten weitergegeben worden, teilte die Kommission mit. Auch die Universität Münster und das Bundesinstitut für Risikobewertung hatten bereits Schnelltests entwickelt.

Bei der Telefonkonferenz wurde die Zahl von 1213 bestätigten EHEC-Fällen in Deutschland genannt. 520 dieser Patienten leiden an der schweren Komplikation, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). 70 Prozent der HUS-Patienten seien Frauen. Die Angaben der Behörden in den Bundesländern können davon abweichen, da sie aktueller sind.