Dresden (dpa) - Ein kräftiger Impuls für den Glauben: Der Evangelische Kirchentag in Dresden hat aus Sicht der Organisatoren nicht nur überraschend viele Christen, sondern auch kirchenferne Menschen angesprochen. Am Sonntag geht er mit dem Abschlussgottesdienst zu Ende.

«Der Kirchentag hat gezeigt: Es gibt eine neue Lust auf Theologie», meinte die Präsidentin des Treffens, Katrin Göring-Eckardt, am Samstag. Auch so mancher Zaungast und Skeptiker sei in den Bann des bunten Christenfests gezogen worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wandte sich bei ihrem Besuch am Samstag entschieden gegen die Diskriminierung von Christen in aller Welt. Es sei nicht akzeptabel, dass Menschen wegen ihres Glaubens benachteiligt und verfolgt würden, sagte sie auf einem Forum. Mit Blick auf die Christenverfolgung in vielen Staaten sagte Merkel: «Da reichen wir als Christen die Hand allen anderen Religionen zu einem Dialog. Aber wir erwarten auch, dass das, was bei uns zu Hause selbstverständlich ist, auch für alle anderen Christen in allen Ländern dieser Welt gilt.»

Die führenden Bischöfe der evangelischen und katholischen Kirche unterstrichen ihren Willen zur Ökumene, sehen dabei aber eher größere Zeithorizonte. «Wir brauchen die Geduld - was wir gemeinsam machen, muss auch theologisch begründet sein», sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. «Wenn wir warten, bis wir alle Probleme gelöst haben, sind wir im Reich Gottes zusammen», ergänzte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider.

Gut drei Monate vor dem Papstbesuch in Deutschland forderte die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» von Benedikt XVI. ein sichtbares Zeichen in der Ökumene. Der Papst solle konfessionsverschiedenen Ehepaaren die gemeinsame Teilnahme am Abendmahl zugestehen, sagte «Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner in Dresden. Bei der Feier des Reformationsjubiläums 2017 müssten beide Kirchen aufeinander zugehen. Die Protestanten dürften Martin Luther nicht alleine für sich beanspruchen. Andererseits müsse die katholische Kirche Luthers reformatorisches Bestreben für die gesamte Kirche würdigen.

«Ich bin erstaunt darüber, wie der Kirchentag in Dresden angekommen ist und wie er auch willkommen ist», sagte Präses Schneider. Vom Kirchentag gingen wichtige Impulse für die Kirche, gerade auch im Osten Deutschlands aus.

Die sächsische Hauptstadt war unterdessen fest im Griff der Besuchermassen. Posaunenchöre gaben spontan Konzerte und ließen so die Sehenswürdigkeiten der Elbestadt «erklingen». So lauschten Passanten auf dem Zwinger-Gelände, der Brühlschen Terrasse und um das Denkmal für Reformator Martin Luther vor der Frauenkirche.