Brüssel (dpa) - Das krisengeschüttelte Griechenland kann auf den dringend benötigten internationalen 12-Milliarden-Kredit bauen. Damit ist das pleitebedrohte Land für die nächsten Monate über den Berg; die drohende Staatspleite ist zunächst abgewendet.

Die Euro-Finanzminister wollen die für diesen Monat fällige Tranche aus dem seit 2010 laufenden Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) an diesem Samstag freigeben - per Videokonferenz, und nicht wie ursprünglich geplant bei einem Treffen am Sonntag in Brüssel.

Ursprünglich wollten die Kassenhüter dort auch über die Konturen eines neuen Rettungspakets für Griechenland debattieren, das bis zu 120 Milliarden Euro umfassen soll. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, hatte die Vorverlegung entschieden. «Mir war es lieber, eine undramatische Konferenz zur Auszahlung der fünften Tranche aus dem Hilfsprogramm zu haben, als eine dramatische Sitzung, wo man den Eindruck gehabt hätte, dass man sich erst einer Entscheidung annähert», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Die Debatte über das neue Paket solle jetzt am 11. Juli beim nächsten regulären Treffen der Euro-Minister geführt werden. Es stehe aber noch nicht fest, ob es zu diesem Termin schon eine endgültige Einigung geben werde.

Juncker wandte sich gegen Spekulationen, wonach das zweite Rettungspaket für Athen auf die lange Bank geschoben werden könnte. «Es wird ein neues Griechenland-Programm geben - in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds.» Der Interimschef des Fonds, John Lipsky, werde an der Videokonferenz teilnehmen.

An dem neuen Paket sollen sich Banken und Versicherungen freiwillig beteiligen. Die Verhandlungen seien jedoch auf europäischer Ebene noch nicht abgeschlossen, hieß es in Brüssel. Die deutsche Finanzbranche will mit etwa 3,2 Milliarden Euro mitziehen.

Griechenland bat derweil die EU um Hilfen bei der Ankurbelung der Wirtschaft. Ministerpräsident Giorgos Papandreou ersuchte den EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso darum, die für griechische Bauprojekte vorgesehenen Gelder aus den EU-Kohäsionsfonds beschleunigt freizugeben. Barroso hatte solche Hilfen bereits vor dem EU-Gipfel in Aussicht gestellt.