Budapest (dpa) - Lewis Hamilton will Formel-1-Spitzenreiter Sebastian Vettel bei seiner Aufholjagd mit einer Endlosschleife der britischen Hymne quälen.

«Alle anderen dauern länger als unsere. Ich wünschte, das Vereinigte Königreich würde unsere Nationalhymne länger machen», sagte der McLaren-Pilot vor dem elften Saisonrennen in Budapest am 31. Juli. Nürburgring-Sieger Hamilton hat das Jagdfieber gepackt, mit weiteren Erfolgen soll «God save the Queen» zum Standard-Musikprogramm bei den Siegerehrungen werden. «Wir sind erst zufrieden, wenn wir jedes Rennen gewinnen», beteuerte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Nach einem Formtief nebst Sinnkrise hat Hamilton die Kurve bekommen und könnte Weltmeister Vettel auf der Fahrt zum zweiten Titel doch noch einmal gefährlich werden. Die brillante Darbietung des 26-Jährigen beim Deutschland-Rennen zeigte die ganze Klasse des Champions von 2008 als Steuerkünstler und Meister der Attacke. Der Hintergrund des Aufschwungs: Hamilton hat den Kopf endlich wieder frei. «Die Leute werden lachen, wenn ich sage, ich habe mich erholt, aber es ist die Wahrheit», sagte er.

In den Monaten zuvor war er nach mehreren überharten Manövern erneut als Pistenrüpel kritisiert worden, hatte sich mit den Rennkommissaren angelegt und zudem mit seinem Arbeitgeber um die Vielzahl von PR-Terminen gestritten. Doch nach der Enttäuschung mit Platz vier beim Heimrennen in Silverstone nahm sich Hamilton eine Auszeit und lud die Batterien wieder auf. Sichtlich entspannt startete er danach seine Hatz auf Vettel neu. «Ich bin wieder fokussiert und frisch im Kopf», erklärte Hamilton.

Mit seiner Eifel-Gala hängte er im internen Duell seinen Kollegen Jenson Button ab und rettete wohl zugleich Teamchef Whitmarsh vorerst den Job. Nach den jüngsten Rückschlägen schien sich bereits eine Rückkehr von Hamiltons einstigem «Ziehvater» Ron Dennis ins operative Geschäft anzubahnen. Noch vor dem Rennen sah sich Whitmarsh zu einer langen Erklärung in aller Öffentlichkeit genötigt, danach genoss er den Triumph umso mehr. «Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es wäre nicht so», bekannte Whitmarsh.

Auch Hamilton hat seine Kritiker verstummen lassen. «Ich habe doch gesagt, ich mache es weiter auf meine Weise und werde mich stetig verbessern», sagte er. Noch liegt der WM-Dritte 82 Punkte hinter Vettel, die klare Überlegenheit der Red Bull scheint allerdings dahin. «Wir sind zurück im Rennen. Jetzt müssen wir konstant bleiben», forderte Hamilton vor dem Ungarn-Abstecher, dem letzten Formel-1-Spektakel vor der vierwöchigen Sommerpause.