Darmstadt (dpa) - Als «Unterhosenbomber» versuchte ein Mann an Weihnachten 2009, eine Passagiermaschine über Detroit in die Luft zu jagen - mit dem Plastiksprengstoff PETN. Auch bei zwei eher zufällig vereitelten Bombenanschlägen mit Luftpostpaketen soll PETN genutzt worden sein.

Das Problem bislang: Die Chemikalie Pentaerythrityltetranitrat kann in kleinsten Mengen hochexplosiv wirken und lässt sich nur schwer nachweisen. Ein Darmstädter Experte will nun eine Lösung gefunden haben: Der Materialwissenschaftler der Technischen Universität ließ sich einen sensiblen Sprengstoffsensor patentieren, der PETN nach seinen Angaben einfacher und vor allem sicherer aufspüren kann. Einsatzgebiete wären Flughäfen oder Sportevents.

Bisher wird PETN durch einen Wischtest ebenso nachgewiesen wie durch einen sogenannten Ionenmobilitätsspektrometer. «Flughafenscanner und Sprengstoffhunde können PETN dagegen so gut wie nicht erkennen», sagte Mario Böhme von der TU. Die Chemikalie gebe nur wenig Moleküle an die Umgebungsluft ab.

Hier setzt Böhmes winziger Sensor an: «Nähert sich ein PETN-Molekül den Nanoröhren, bleiben die für Explosivstoffe charakteristischen Nitrogruppen des Moleküls an der Oberfläche der Röhren haften», erklärte der 40-Jährige, der die Idee zum Sensor im Rahmen seiner Doktorarbeit hatte. Dadurch ändere sich die Leitfähigkeit, die mit elektronischen Messgeräten erfasst werden könne.

Nach Böhmes Angaben lässt sich mit dem neuen Detektor bereits ein einzelnes Sprengstoffmolekül unter zehn Milliarden Luftmolekülen erkennen. Es sei zum Beispiel möglich, die bekannten Metalldetektoren und Röntgengeräte an den Flughafenkontrollen nachzurüsten und eine Vorrichtung einzurichten, mit der Luft angesaugt wird. «Es müsste eigentlich nur die Raumluft über den Sensor geleitet werden, damit die Chemikalie erkannt wird.» Ebenso denkbar wäre nach TU-Angaben ein tragbares Gerät, das ähnlich wie ein Tischstaubsauger funktioniert und mit dem einzelne Personen kontrolliert werden können.

Nun sucht Böhme nach einem Sponsor aus der Industrie, der sich des Projektes annimmt. «Man bräuchte jemanden, der bereit ist, das Projekt zu unterstützen oder in sein Angebot aufzunehmen», sagte Böhme der dpa. «Die Grundlage ist geschaffen.»