Budapest (dpa) - Die Formel 1 stellt Nico Rosberg auf eine harte Geduldsprobe. Zum 100. Mal startet der Silberpfeil-Pilot am Sonntag in Budapest bei einem Grand Prix, aber noch nie ist er als Erster angekommen.

Auch im zweiten Mercedes-Jahr muss sich der Deutsche mit der Rolle des Aufbauhelfers begnügen. «Ich weiß, dass unser Mercedes-Team Erfolg haben wird. Aber es wird ein schwerer Weg werden. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis wir unser Ziel erreichen werden», sagte der 26-Jährige im Interview der Nachrichtenagentur dpa vor dem Großen Preis von Ungarn.

Dabei hatte Rosberg vor seiner sechsten Formel-1-Saison den Druck auf sich und das Team noch einmal erhöht, wollte endlich die ersehnte Siegpremiere feiern. «Darum geht es letztendlich: Ich möchte Rennen gewinnen», betonte der Wiesbadener im Winter. Doch wie in der Vorsaison konnte Mercedes bislang erneut nicht mit den Top-Teams Red Bull, McLaren und Ferrari mithalten. Rosberg aber ist fest überzeugt, dass er in naher Zukunft im Silberpfeil ganz vorn mitfahren wird. «Das werden wir sehr, sehr bald können. Ich muss Geduld haben», sagte er am Donnerstag auf dem Hungaroring.

Noch bleibt Platz zwei in Singapur 2008 im Williams das beste Karriere-Resultat bei 99 Versuchen des Wahl-Monegassen. Teamkollege Michael Schumacher triumphierte einst im 18. Rennen zum ersten Mal, Sebastian Vettel beim 22. Start. Rosbergs Vater Keke benötigte 49 Rennen bis zum ersten Sieg, nach 51 Grand Prix war er Weltmeister.

Zumindest den Dauervergleich mit seinem Papa hat Rosberg aber inzwischen hinter sich gelassen. «Das war am Anfang mehr. Aber heutzutage glaube ich schon, dass die Menschen mich als Nico wahrnehmen und nicht als 'Sohn von...'», sagte Rosberg. Auch die 100-Rennen-Marke will er nicht so wichtig nehmen. Sie bedeute ihm «nicht übermäßig viel. Es ist überraschend, dass es jetzt schon so viele sind.» Seinen Aufstieg in den «Hunderter-Club» habe er erst bemerkt, als «die Leute mich danach gefragt haben», verriet er.

Etabliert hat sich der ehemalige GP2-Champion in der Königsklasse schnell. Gleich bei seinem Debüt 2006 in Bahrain fuhr er die schnellste Rennrunde. «Echt cool», erinnert sich Rosberg. Doch seither folgten auf Glanzlicher auch immer wieder Rückschläge. «In den Nachwuchsserien habe ich immer gewonnen. Aber dann kommst du in die Formel 1 und musst lernen, dass du da auf Anhieb nicht alles gewinnen kannst. Das ist ein Lernprozess, den man durchmachen muss und an dem man wachsen muss», erklärte er.

Mit dem Wechsel zu Mercedes nach vier Jahren bei Williams wollte Rosberg die nächste Karrierestufe zünden. Vor dieser Saison schärfte er noch einmal sein Profil, schnitt sich die blonden Haare kurz und legte sich einen eigenen Sprecher zu. Auch das Zusammenspiel mit Rekordweltmeister Schumacher klappt. «Wir harmonieren sehr gut miteinander», beteuerte Schumacher. Erneut hat Rosberg die bessere Bilanz als der PS-Veteran, doch zu einem Podiumsplatz reichte es in den ersten zehn Saisonrennen für beide nicht.