Berlin (dpa) - Eine knappe Schlagzeile hier, ein Song im Radio und viele Internet-Videos: Die großen Erfolge von Bernd Clüver, der in den 70er und 80er Jahren als «der Junge mit der Mundharmonika» ins Sänger-Leben zog, haben viele Spuren hinterlassen. Seit der Nacht zum Donnerstag ist all dies Schlager-Geschichte.

«Ein häuslicher Unfall» hieß die Erklärung für seinen Tod mit 63 Jahren in der knappen Mitteilung des Familienanwalts am Donnerstag. Die Angehörigen wünschten sich einen Abschied in stiller und abgeschiedener Trauer.

Clüvers Karriere war so verlaufen, wie die vieler seiner Zunft. Es waren eher Zufälle, die den Jurastudenten in den Aufbaujahren der Bundesrepublik ins Musikgeschäft katapultierten. Nach einem Auftritt im «Talentschuppen» der Funkausstellung in Berlin bekam er 1971 einen Plattenvertrag. Und dann feierte der Balladen-Barde seinen Durchbruch im ZDF.

Bei Dieter Thomas Hecks «Hitparade» konnte Clüver mit dem «Jungen mit der Mundharmonika» seinen ersten Hit landen. «Da war ein Traum, der so alt wie die Welt ist», heißt es dort, eine Harmonika summt in der Ferne. Clüver weckte Sehnsüchte - und gewann. Der Titel eroberte die Hitparade und blieb 27 Wochen lang an der Spitze.

Doch er verstand es wohl auch, den Wandel der Zeiten zu deuten. Mit «Mike und sein Freund» sang 1976 erstmals ein Schlager-Star über Homosexualität. Zwar sprach er da verbrämt noch von einem Freund, der dem anderen hilft, die Beziehung endet im Drama, doch jeder verstand es. Das Lied kam unter die ersten 50 Titel in der Hitparade. Doch Clüver musste sich dann immer wieder erklären, klarmachen, dass er nicht «so» sei, wie der Autor Elmar Kraushaar («Rote Lippen. Die ganze Welt des deutschen Schlagers») der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Ob «Der kleine Prinz» oder «Das Tor zum Garten der Träume» - Clüver beschwor in seinen Songs die Wunschwelt des Schlagerplaneten, wusste aber wohl auch von dessen Schattenseiten. «Wer immer Glück hat, weiß nicht, was Glück ist» - in seinem Lebensmotto schwang die Ahnung mit, dass sich die Zeiten auch ändern können. In seiner weichen Art, mit seinen langen Haaren entsprach Clüver nicht dem Klischee des Macho-Sängers. «Darauf begründete sich auch sein Erfolg», sagt Autor Kraushaar.

«Momente, die ich nie vergessen werde» heißt es in einem Steckbrief auf seiner Homepage: «Meine Scheidung und meine 2. Hochzeit». Clüver, der lange Jahre mit der früheren «Miss Germany» Anja Hörnich verheiratet war, scheute sich wohl nicht vor großen Gesten und Bekenntnissen.