Durban (dpa) - Olympia-Renaissance in München, Neuland in Pyeongchang oder dramatische Bergkulisse in Annecy: Das IOC muss sich bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 für die Erweiterung der olympischen Welt oder das Festhalten an Bewährtem entscheiden.

Die Isar-Metropole geht mit den zweitbesten Vornoten hinter dem südkoreanischen Favoriten und dem bewährten Stimmenfänger Franz Beckenbauer als Überraschungsgast in den Schlussspurt des 44 Monate langen Bewerbungsmarathons. Das französische Annecy ist staunender Außenseiter.

IOC-Präsident Jacques Rogge wird am 6. Juli gegen 17.25 Uhr im gigantischen «International Convention Center» im südafrikanischen Durban den glücklichen Gewinner ausrufen. Genau vor elf Jahren, am 6. Juli 2000, erhielt Deutschland in Zürich den Zuschlag für die Fußball-WM 2006.

«Franz Beckenbauer ist auf dem Weg, und wir freuen uns sehr über seine Unterstützung», verkündete Katarina Witt, «wir gehen mit viel Schwung in die Entscheidung. Hier zählt nur der Sieg und die Goldmedaille.» Selbst Münchens wettkampfgestählte Chefrepräsentantin wird jeden Tag aufgeregter. Die Unberechenbarkeit der IOC-Mitglieder zehrt an den Nerven der zweifachen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin.

Von Acapulco bis Togo ist sie ihnen nachgereist, von Belgrad bis Neukaledonien. Und nun bleiben lediglich ein paar Stunden, die letzten Unentschlossenen noch zu überzeugen. Bundespräsident Christian Wulff trifft am Dienstag in Durban ein. Zwei präsidiale Tage müssen reichen. Und als «kaiserlicher» Trumpf will Beckenbauer das ihm eigene Sieger-Gen einbringen und die Winterspiele in seine Heimatstadt holen. Die deutsche «Allzweckwaffe» soll bei der finalen Vorstellung zum Einsatz kommen.

«Wir kommen uns wirklich vor wie vor einem olympischen Finale. Training und Testwettkämpfe haben wir hinter uns, aber jetzt wollen wir endlich raus und wollen auf den Platz», betonte der deutsche Ober-Olympier Thomas Bach, als IOC-Vize treibende Kraft der Münchner Bemühungen innerhalb der Ringe-Organisation. «Wir wollen raus und zeigen, was wir können, und hoffen dann, dass es reicht.» Nach den letzten deutschen Bewerbungspleiten mit Berchtesgaden (Winter 1992), Berlin (Sommer 2000) und Leipzig (Sommer 2012) hat sich München 2018 als klarer Gegenentwurf zu Pyeongchang positioniert.

Zwei Tage vor dem Votum muss sich Bach, im IOC für den Verkauf der europäischen TV-Rechte zuständig, wenigstens nicht mehr mit zählen Verhandlungen für den deutschen Fernsehmarkt befassen. ARD und ZDF sicherten sich «kurzfristig» die audiovisuellen Medienrechte an den Winterspielen 2014 in Sotschi und den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro. Die Rechte sollen geschätzte 110 Millionen Euro kosten, die Sender wollten das aber nicht kommentieren. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten hätten damit sogar etwas weniger bezahlt als beim Kauf der Rechte für Vancouver 2010 und London 2012.