Riva del Garda (dpa) - Wie nach den Fußball-Ferien die Vorbereitung unter Jupp Heynckes losgeht, weiß Toni Kroos noch aus seinen Tagen unter dem neuen Münchner Coach bei Bayer 04. Und aus dieser Zeit hat der 21-Jährige gelernt.

«In Leverkusen bin ich aus dem Urlaub wiedergekommen und hatte zwei Kilo zu viel. Ich hab mir gesagt, das machst du nicht noch mal bei ihm», erinnerte der 18-malige Nationalspieler, der unter Heynckes wie einst bei Bayer durchstarten möchte.

Heynckes freute sich, dass der Mittelfeldakteur nach den Ferien in der «Sonne Spaniens» in guter körperlicher Verfassung die Vorbereitungsphase beim deutschen Fußball-Rekordmeister aufnahm. «Das ist das A und O bei Toni, und dass er malocht, dass er arbeitet, 'nen Zahn zulegt. Das macht er, da habe ich keine Bedenken», sagte der 66-Jährige, dem Kroos sehr am Herzen liegt. «Ich habe so viele junge Spieler, egal wo ich war, immer wieder gefördert und nach oben gebracht. Das wird hier nicht anders sein», betonte Heynckes. Unter ihm machte Kroos, auch nach ein paar lehrreichen Worten des Trainer-Routiniers, «einen Riesenschritt nach vorne».

Seit 2006 ist Kroos bei den Bayern, doch dauerhaft auftrumpfen wie in seiner anderthalbjährigen Leihzeit von Januar 2009 nach Leverkusen an, konnte er bei den Münchnern noch nicht. «Mit 21 ist man noch nicht am Ende. Ich denke schon, dass ich es relativ oft konstant abrufen konnte», befand der Fußballer am Dienstag in Riva del Garda vor seiner fünften Profisaison.

Viel haben der aktuelle Bayern-Coach und sein Vorgänger Louis van Gaal nicht gemein. Aber die großen Fähigkeiten des «ganz großen Talents» habe der Niederländer «genauso» gesehen, erzählte Heynckes. Im DFB-Team, wo Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira im defensiven Mittelfeld gesetzt sind, hätte Kroos bei den jüngsten Länderspielen als Vertreter seine Sache auch «relativ gut» gemacht. Bundestrainer Joachim Löw sieht in dem 21-Jährigen einen Spieler, «der etwas für die Offensive macht, mit Mesut Özil die Stürmer oder die Außenpositionen unterstützt». Ein klassischer Sechser sei er nicht, meinte auch Kroos, der aber gerne eine zentrale Rolle spielt.

Im Münchner Mittelfeld aber wird es für den WM-Dritten von 2010 einen harten Kampf um die Plätze geben. Neben den Stars Franck Ribéry und Arjen Robben auf den Außenbahnen tummeln sich in der Mittelfeldzentrale um Co-Kapitän Schweinsteiger mehr als eine Handvoll Akteure. «Beim FC Bayern ist es etwas anders als bei Bayer 04 Leverkusen», sagte Heynckes, «da hat er sich nicht so hineinspielen können. Beim FC Bayern kriegen sie nicht so viele Möglichkeiten.»

Da Heynckes aber rotieren will, wird auch Kroos beim Münchner Marathonprogramm seine Chancen bekommen. Was der Coach von ihm sehen möchte, sagte er ihm schon am Telefon vor dem Trainingsauftakt. «Dass er will, dass ich einfach Gas gebe, ähnlich wie in Leverkusen. Dass er mir fußballerisch nicht viel beibringen braucht, hat er gesagt, das weiß er auch», berichtete Kroos von dem Gespräch. Und dass die körperliche Verfassung stimmt, lobte Heynckes schon nach den ersten Einheiten am Gardasee.