Duisburg (dpa) - Immer mehr Frust im Job: Arbeitnehmer in Deutschland sind einer Studie zufolge über die vergangenen Jahrzehnte unzufriedener geworden.

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat für seine Untersuchung Daten aus der repräsentativen Befragung des Sozio-oekonomischen Panels zwischen 1984 und 2009 ausgewertet. Dafür werden jedes Jahr rund 11 000 Haushalte in Deutschland befragt.

Die Arbeitnehmer konnten ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 1 («ganz und gar unzufrieden») bis 10 («ganz und gar zufrieden») angeben. Während die Befragten diese 1984 im Schnitt noch mit 7,6 bewerteten, sank die Note bis zum Jahr 2009 auf den Wert 6,8. Ein «konkreter Zusammenhang» mit der Weltwirtschaftskrise im selben Jahr sei aber nicht zu erkennen, sagte Forscher Friedrich Scheller am Dienstag: «Das ist ein langfristiger Trend.»

Am stärksten gewachsen ist die Unzufriedenheit den Forschern zufolge bei den Berufstätigen über 50 Jahre. Sie waren 1984 mit einem Durchschnittswert von 7,9 noch die zufriedensten Arbeitnehmer. 2009 gehörten sie mit einem Wert von 6,6 zu denen, die am wenigsten Spaß im Job haben. Die Unterschiede zwischen Ost und West hätten sich hingegen angeglichen, sagen die Wissenschaftler. Zuvor seien ostdeutsche Arbeitnehmer lange Zeit viel unzufriedener gewesen.

Die Auswertung liefert auch Hinweise darauf, dass Bildung glücklich macht: «Generell sind Personen höherer Bildung mit ihrer Arbeitssituation glücklicher als Erwerbstätige mit niedrigen Bildungsabschlüssen», hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Wie groß der Betrieb ist, indem jemand arbeitet, hat nach Einschätzung der Forscher nicht zwingend Einfluss auf seine Einstellung zum Job.

Die Ursachen für die steigende Unzufriedenheit sehen die Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen in größerem Stress und geringen Lohnsteigerungen. Aber auch Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und berufliche Zukunftsängste spielten eine Rolle. Unglückliche Arbeitnehmer könnten «für Unternehmen langfristig fatal sein», warnte Forscher Marcel Erlinghagen.

Die Wissenschaftler werteten auch Daten aus dem unter anderem von der Europäischen Kommission finanzierten European Social Survey aus dem Jahr 2006 aus, für den Bürger aus 25 Ländern interviewt wurden. Das Ergebnis: Die Deutschen jammern mehr über ihre Arbeitssituation als die meisten Europäer. Von 22 Ländern, aus denen Daten zur Arbeitszufriedenheit in die Auswertung der Duisburger Forscher einflossen, landete Deutschland auf Platz 18. Nur Arbeitnehmer aus der Slowakei, Ukraine, Bulgarien und Russland zeigten sich noch unzufriedener. Am glücklichsten im Job waren die Menschen der Studie zufolge in Dänemark und der Schweiz.