Ratingen/Hamburg (dpa) - Viel Wirbel um einen mutmaßlichen Datenmissbrauch, aber kein Skandal: Der Hamburger Datenschutz hat Entwarnung im Fall des größten EC-Netzbetreibers Easycash gegeben.

«Wir haben keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass ein Datenabgleich im großen Stil erfolgt ist», sagte Datenschützer Johannes Caspar am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Nur ein Kundenkontakt werde von seiner Behörde noch genauer untersucht.

Zuvor hatte Easycash einen Bericht des Senders NDR Info über einen neuen Datenskandal als falsch zurückgewiesen. Das Unternehmen führe keine Daten aus dem EC-Netzbetrieb der Easycash mit den Daten aus dem Kundenkartenprogrammen der Hamburger Schwesterfirma Easycash Loyalty Solutions zusammen, teilte Frank Wio, Mitglied der Geschäftsleitung, in Ratingen mit.

Nach Recherchen von NDR Info soll Easycash den Abgleich von Kontonummern, die beim Einsatz von EC-Karten gespeichert wurden, mit den Daten von Kunden- und Rabattkarten vornehmen. Betroffen wären demnach bis zu 14 Millionen Verbraucher. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sprach sich in der «Bild»-Zeitung (Freitag) für eine schnelle Aufklärung aus. Sollten Rechtsverstöße vorliegen, müsse das Konsequenzen haben.

«Die Möglichkeit einer Nutzung und des Vergleiches der Daten wurde zwar in der Vergangenheit erwogen und intern diskutiert, aber unter anderem aufgrund datenschutzrechtlicher Vorbehalte nicht realisiert», teilte Firmenchef Wio mit. Ein solches Geschäftsmodell sei verfolgt, aber nicht umgesetzt worden, bestätigte auch Datenschützer Caspar. Dass es solche Pläne für Marketingzwecke gegeben habe, sei allerdings bedenklich genug, meinte er. «Wir werden weiterhin ein Auge auf das Unternehmen haben».

Caspar hatte seine Mitarbeiter am Donnerstag zu der Hamburger Tochterfirma geschickt, um sich vor Ort einen Eindruck über die Arbeitsabläufe zu verschaffen.

«Illegal wäre es, wenn zwei Firmen unterschiedliche Datenbestände mit unterschiedlichen Zwecksetzungen etwa aus dem bargeldlosen Zahlungsverkehr und von Kundenkarten zusammenführen, ohne dass der Verbraucher dies weiß und dem zustimmen konnte», erläuterte Caspar. «Dadurch wird es möglich, Kundenprofile zu erstellen: Es kann genau festgelegt werden, welcher Verbraucher wann wo etwas umgesetzt hat, wie viel er ausgegeben hat - und letztlich auch, wann er zur Konkurrenz gegangen ist.» Der Datenschutzbeauftragte verwies aber auch darauf, dass Kundenbindungssysteme mit Kundenkarten legal sind, denn sie beruhten darauf, dass der Einzelne mit seinen unterschriebenen Anträgen zugestimmt hat.