Frankfurt/Main (dpa) - Als hätte einer die Tabelle umgedreht oder zumindest kräftig durchgeschüttelt: Die Bundesliga «steht Kopf», wie auch Bundestrainer Joachim Löw staunend feststellt.

Mainz ganz oben, Dortmund knapp dahinter, Hannover, Freiburg und Hoffenheim in Sichtweite; Schalke und der VfB Stuttgart hingegen ganz unten. Bayern München als Zwölfter und Werder Bremen als 13. nur Mittelmaß. Graue Mäuse scheinen in diesem Tollhaus ausgestorben. «Das zeigt die Ausgeglichenheit der Liga. Schauen Sie doch mal die Tabelle der Premier League an: Da steht Chelsea vor Manchester City, ManU und Arsenal», sagt Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), vor dem achten Spieltag.

Spaß und Spannung: Die Macher können sich die Hände reiben. Zumal der Name des neuen einheitlichen Balls («Torfabrik») offensichtlich nicht nur ein Werbegag ist: Schon an den beiden ersten Spieltagen fielen 67 Tore - ein Spitzenwert für die vergangenen 24 Jahre. Auch die Statistik spinnt: 24 Auswärtssiege gab es bereits in 63 Partien - 38,10 Prozent. Der Spitzenwert über eine Saison gesehen liegt bei 31,05 von 2009/2010. Die Profis unterhalten das Publikum glänzend - manchmal sogar in kupferfarbenen Trikots (FC St. Pauli) oder mit goldenen Rückennummern (1899 Hoffenheim).

Am buntesten treiben es die Sensationskicker aus Mainz: Sie siegen und siegen und siegen und siegen und siegen und siegen und siegen. Nach dem siebten «Dreier» stand Thomas Tuchel, die Trainer-Entdeckung im deutschen Fußball, mit dem Megafon auf dem Zaun vor den tanzenden Fans - und die Fachwelt staunte über den fröhlichen Höhenflug.

«Die schwimmen auf einer absoluten Euphoriewelle, die sie sich selbst erarbeitet haben. Sie haben es geschafft, mit ihrem Konzeptfußball durchzukommen. Sehr stark macht sie, dass sie über die mannschaftliche und taktische Geschlossenheit kommen», erklärt Bundesliga-Routinier Hanno Balitsch (Leverkusen/davor Hannover 96, FSV Mainz 05, 1. FC Köln). «Sie bestreiten ihre Spiele sehr aggressiv und taktisch diszipliniert. Damit kann man es in der Bundesliga mit den Siegen und der Euphorie sehr weit bringen.» Der derzeit verletzte FSV-Keeper Heinz Müller betont: «Wir sind hier alle noch sehr klar im Kopf.»

André Schürrle und Lewis Holtby, die bekanntesten «Mainzelmännchen», haben es schon bis ins Notizbuch von Bundestrainer Joachim Löw gebracht, Mario Götze von Borussia Dortmund ebenfalls. Die neuen Spaßfußballer. Doch der Futterneid wächst, obwohl sich die Mainzer so schön und ehrlich freuen können. Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger lästerte im «kicker»: «Ich habe Herrn Tuchel nach dem Sieg gegen Hoffenheim auf dem Fanzaun gesehen und mir gedacht, dass es um den auch noch ruhiger wird. So etwas macht man nicht: Als Trainer gehe ich nicht in die Kurve und singe.»

Unterhaltung belebt das Geschäft: Die Liga boomt weiter, obwohl die DFL-Verantwortlichen schon froh sind, wenn sich die Rekordzahlen der vergangenen Jahre einpendeln. Die Eliteklasse stößt, auch wegen der starken Auftritten der Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika, im Ausland auf immer größeres Interesse: Die DFL berichtet von einem verstärkten Medieninteresse aus England und Japan - vor allem wegen Wolfsburgs Coach Steve McClaren und des neuen Sterns aus dem Land der aufgehenden Sonne: Dortmunds Torjäger Shinji Kagawa.