Rom (dpa) - Im Hooligan-Skandal von Genua ist der Streit um die Schuldfrage voll entbrannt. Serbiens Fußball-Verband FSS berief nach den schweren Krawallen serbischer Rowdys beim abgebrochenen EM-Qualifikationsspiel in Italien für den 15. Oktober eine Krisensitzung ein.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) soll mit einem eigenen Bericht des FSS zudem milde gestimmt werden. Die italienische Regierung und der italienische Fußballverband (FIGC) wiesen eilig jegliche Mitverantwortung für die Ausschreitungen zurück.

Politik und Funktionäre schoben den Serben den «Schwarzen Peter» zu. «Eine Strafe vonseiten der UEFA würde mich enttäuschen, da ich nicht sehe, welche Verantwortung wir tragen sollten», sagte Italiens Innenminister Roberto Maroni.

Die Partie zwischen Italien und Serbien war am 12. Oktober wegen der Randale auf den Rängen in der 7. Minute abgebrochen worden. Die brutale Eskalation von Genua schockte die Fußball-Welt. Insgesamt gab es 17 Verletzte. Nach den Vorfällen im Stadio Marassi nahm die italienische Polizei acht Gewalttäter in Haft, 19 weitere mutmaßliche Krawallmacher gingen der Polizei an der serbischen Grenze ins Netz. Die UEFA berät am 28. Oktober über Sanktionen.

Thomas Bach forderte als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die Verbände, Vereine und die Polizei zu erhöhter Wachsamkeit auf, um politisch motivierte Ausschreitungen zu verhindern. «Damit kein Trend entsteht, ist erhöhte Wachsamkeit angesagt, in dem man Instrumente anwendet, die bereits in der Vergangenheit gegriffen haben, wie zum Beispiel Ausreisekontrolle oder Stadionverbot», sagte der DOSB-Chef. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht sich mit seinen Konzepten gut aufgestellt. «Natürlich bleibt immer ein Restrisiko», sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn.

UEFA-Chef Michel Platini kündigte ein hartes Vorgehen gegen Gewalttäter bei Sportveranstaltungen an. «Wir wissen, wo die Hooligans sind. Polen ist von diesem Problem auch nicht frei», sagte Platini in Warschau. Er erinnerte drohend an die «Null-Toleranz- Politik» seines Verbandes gegenüber Rowdys im Stadion. Wohl auch deshalb will der serbische Verband der UEFA-Disziplinarkommission eine eigene Analyse zukommen lassen, in der die Geschehnisse aufgearbeitet werden. Die Serben beteuerten mehrfach, die Gastgeber auf die Gefährlichkeit der anreisenden Fans hingewiesen zu haben.

Dies aber bestreiten die Italiener. «Es gab nur ein Fax mit der Information, dass 200 Fans kommen würden», betonte Innenminister Maroni. Später sei die Zahl bei einer Besprechung mit der UEFA auf 1200 erhöht worden. Eine ausdrückliche Warnung habe es aus Belgrad jedoch nicht gegeben. Nach Maronis Meinung hätten die einschlägig bekannten Hooligans schon in Serbien gestoppt werden müssen.