München (dpa) - ARD und ZDF müssen sich auch mehrere Wochen nach Abschluss ihrer Drei-Stufen-Tests der Verleger-Kritik an ihren Internetaktivitäten stellen. «Man muss an die Wurzeln», forderte der Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags und der «Süddeutschen Zeitung», Detlef Haaks.

Nach den Vorgaben des Gesetzgebers ist es den öffentlich-rechtlichen Sendern untersagt, den privaten Verlegern durch «presseähnliche» Beiträge im Netz Konkurrenz zu machen. Doch nach wie vor fehle es hier an einer eindeutigen Definition, beklagte Haaks.

Klar sei nur, dass es sich bei einem Printobjekt oder einer PDF- Datei um ein presseähnliches Produkt handele, sagte Haaks. Doch ARD und ZDF bildeten auf ihren Onlineseiten ihre Beiträge so ab wie auch die Verlage es täten - also nicht mehr in einem gedruckten Erscheinungsbild. Für die Verleger komme erschwerend hinzu, dass sie ihr Material künftig mehr und mehr gegen Entgelt auf den Internetmarkt bringen wollten - ARD und ZDF aber hätten «Hunderte von Millionen Euro» zur Verfügung, um ihre Online-Portale zu bestücken. «Eine Verzerrung von Macht und Wettbewerb», sagte Haaks.

Bernd Lenze, Vorsitzender des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks, hielt dagegen, dass der Marktanteil aller mehr als 40 öffentlich-rechtlicher Angebote unter den rund 2000 wichtigsten Informationsportalen kaum mehr als rund drei Prozent ausmache. «Da sind all die Blogger und Social Networks noch gar nicht mitgerechnet», sagte Lenze. Der Einfluss von ARD und ZDF auf den Markt sei also recht gering. Beachtlich sei aber das Interesse in Einzelfällen wie zum Beispiel für die Serie «Sturm der Liebe», auf die im Netz stark zugegriffen werde. Aber daher sei die Verweildauer von Fiktion auch auf acht Tage begrenzt worden.

Die ARD und das ZDF mussten bis zum Sommer dieses Jahres all ihre Onlineseiten dem internen Drei-Stufen-Test unterziehen, bei dem die Netzangebote auf ihre Relevanz, ihren Einfluss auf die Konkurrenz und ihre Kosten untersucht wurden. Abschließend muss die Rechtsaufsicht, in fast allen Bundesländern sind das die Staatskanzleien, das Verfahren prüfen und genehmigen.

Die privaten Verleger bekämpfen schon lange die Internetauftritte von ARD und ZDF. Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, hatte am Mittwoch zur Eröffnung der Medientage auf ein friedliches Nebeneinander mit ARD und ZDF im Netz gesetzt, bestimmte Bedingungen vorausgesetzt. Dazu gehöre zum Beispiel, dass ARD und ZDF ihre Apps für Smartphones oder Tablet-Computer nicht kostenfrei anbieten sollten. Ob kostenfrei oder als Bezahlmodell: «Die "Tagesschau"-App wird kommen», sagte der Justiziar des Südwestrundfunks, Hermann Eicher.