Schwanfeld (dpa) - Das bayerische Schwanfeld gilt als erste Siedlung Deutschlands. Männer und Frauen aus Osteuropa sollen sich hier bereits vor 7500 Jahren niedergelassen haben. Ein neues Museum gibt von diesem Samstag (16. Oktober) an Einblicke in diese Epoche.

Der Frankfurter Archäologie-Professor Jens Lüning hatte vor mehr als 30 Jahren begonnen, in der 2000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Schweinfurt zu graben. Zutage gekommen sind die bis heute ältesten Nachweise für Besiedelung in Deutschland. «Hier gab es trockene Böden und warme Plätze», erklärt Lüning die Entscheidung der Steinzeitbauern.

Mit der sogenannten Bandkeramik, die ihren Namen von der charakteristischen Ritzverzierung ihrer Tongefäße hat, kamen vor 7500 Jahren zum ersten Mal Ackerbau und Viehzucht nach Mitteleuropa. Mit weitreichenden Folgen, wie die Bandkeramik-Expertin Britta Ramminger von der Universität Hamburg erklärt: «Ab diesem Zeitpunkt werden Häuser gebaut, Bäume gefällt und in die Natur eingegriffen.»

Mehr als 400 Ausstellungsstücke - Scherben, Pfeilspitzen und steinzeitliche Idole - werden im neuen Bandkeramik-Museum zu sehen sein, die meisten stammen aus der Schwanfelder Grabung. Zu jedem Exponat gibt es Repliken zum Anfassen. Hüte und Gewänder stehen zum Anziehen bereit - Besucher können Getreide mahlen wie ihre steinzeitlichen Vorfahren.

Lüning hatte in den 1970er und 80er Jahren europaweit insgesamt zwölf bandkeramische Siedlungsplätze untersucht. Dabei grub er mit seinen Studenten auch in Unterfranken. Er trug Bodenschichten ab, nahm Proben, fand Keramikscherben und legte zehn Häuser der bandkeramischen Siedlung frei. 1985 stieß er in Schwanfeld auf zwei Gräber, die ersten für die älteste Bandkeramik in Süddeutschland überhaupt.

Mit Hilfe einer Methode, bei der Knochen auf wenige Jahrzehnte genau datiert werden können, ließ er das Alter des steinzeitlichen Funde bestimmen. Ergebnis: Die ausgegrabenen Häuser sind rund 7500 Jahre alt und damit bis heute Deutschlands erste menschliche Besiedelung. Schwanfeld nennt sich gern «ältestes Dorf Deutschlands».