Kabul/Brüssel (dpa) - Trotz aller Absagen der Taliban ist der neue Hohe Friedensrat in Afghanistan zuversichtlich, dass die Aufständischen zu Verhandlungen mit der Regierung in Kabul bereit sind.

Der Ratsvorsitzende, Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, sagte am Donnerstag, die Taliban hätten stets strenge Bedingungen gestellt, Gespräche aber nie generell ausgeschlossen. Die Aufständischen hatten erst am Mittwoch mitgeteilt, vor einem Abzug der internationalen Truppen seien Gespräche «Zeitverschwendung».

US-Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates verteidigten nach einem NATO-Treffen in Brüssel die afghanischen Bemühungen um eine «nationale Aussöhnung». «Wir haben immer anerkannt, dass Aussöhnung letztlich ein Teil der Lösung sein muss. Und wir werden tun, was wir können, um diesen Prozess zu unterstützen», sagte Gates. US-geführte NATO-Truppen hätten dafür gesorgt, dass hochrangige Taliban-Vertreter zu Vorgesprächen mit der Regierung nach Kabul gelangen könnten, berichteten die «New York Times» und das «Wall Street Journal» am Donnerstag.

«Wir wissen, was sie tun und sie wissen, was wir tun und was wir wollen», sagte Gates über die afghanische Regierung. Clinton sprach von «Beweisen für die zunehmende Effizienz unserer gemeinsamen Anstrengungen»: «Immer mehr Kämpfer suchen einen Ausweg. Viele haben für die Aufständischen gearbeitet, weil es um den Lebensunterhalt ging», sagte die Außenministerin. «Und unsere Berichte sagen, dass immer mehr versuchen, das Schlachtfeld zu verlassen.» Zu einer Bewertung der Bemühungen um Aussöhnung sei es noch zu früh.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte dazu am Donnerstag in Brüssel, die NATO sehe keine Probleme, in Afghanistan Kontakte der radikalislamischen Taliban mit der afghanischen Regierung zu ermöglichen. «Unsere Position ist: Wenn wir den Aussöhnungsprozess durch praktische Hilfe erleichtern können - warum nicht?», sagte der Generalsekretär.

Die USA drängen die NATO-Partner zugleich, die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten weiter zu verstärken. Bei dem Treffen der Verteidigungsminister der 28 Mitgliedstaaten in Brüssel forderte US-Ressortchef Robert Gates seine Kollegen am Donnerstag auf, die Zahl der Trainer zu erhöhen. Großbritannien kündigte an, 320 zusätzliche Kräfte für die Ausbildung der afghanischen Armee einzusetzen. Deutschland will die Zahl der Ausbilder im November um 90 erhöhen.

Die internationale Schutztruppe ISAF will die Verantwortung für die Sicherheit im Land bis 2014 an die Afghanen übergeben. Strittig ist noch, ob im nächsten Jahr schon der Anfang in einigen Provinzen gemacht werden soll. Die Entscheidung darüber soll auf dem NATO-Gipfel Mitte November in Lissabon fallen.