New York/Berlin (dpa) - Das Internet-Unternehmen AOL erwägt laut einem Zeitungsbericht zusammen mit mehreren Finanzinvestoren den Kauf des Online-Pioniers Yahoo. Die Überlegungen seien erst in einem sehr frühen Stadium und könnten auch zu keinem konkreten Angebot führen, sch

ränkte das «Wall Street Journal» am Donnerstag allerdings unter Berufung auf informierte Personen ein. Yahoo habe davon erst aus dem Zeitungsbericht erfahren, berichtete die «New York Times».

Die Yahoo-Aktie machte dennoch einen Satz nach oben. Zum Auftakt des New Yorker Handels legte sie um mehr als sechs Prozent zu. Yahoo ist an der Börse deutlich mehr wert als AOL: Rund 22 Milliarden Dollar gegen knapp 2,8 Milliarden für den angeblichen Kaufinteressenten.

Yahoo kommt schon seit Jahren nicht zur Ruhe. Erst wollte Microsoft den Konzern kaufen. Nach Widerstand des Verwaltungsrates gab der Windows-Riese den Plan jedoch auf und vereinbarte später lediglich eine enge Partnerschaft im Suchmaschinengeschäft. Yahoo- Chefin Carol Bartz sucht nun nach einem dauerhaften Geschäftsmodell.

Ein Kapital von Yahoo sind die 600 Millionen Kunden, die den E- Mail-Dienst und andere Angebote des Unternehmens nutzen. AOL ist dabei, sich von einem großen Anbieter von Internet-Zugängen zum Spezialisten für Online-Inhalte zu wandeln. Das Unternehmen hat auch eine bewegte Vergangenheit. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase fusionierte AOL zur Jahrhundertwende mit dem Medienkonzern Time Warner. Die einst als wegweisend gefeierte Ehe scheiterte kläglich und AOL ist inzwischen wieder solo an der Börse notiert.

Dem «Wall Street Journal» zufolge sind unter den Finanzinvestoren Blackrock und Silver Lake Partners. Es würden unterschiedliche Szenarien durchgespielt. So sei eine Möglichkeit, dass Yahoo die Beteiligung an dem chinesischen Internet-Konzern Alibaba verkaufen könnte. Der Anteil von rund 40 Prozent werde derzeit mit etwa zehn Milliarden Dollar bewertet. Alibaba-Chef Jack Ma hatte bereits Interesse bekundet, den Yahoo-Anteil zurückzukaufen. Ohne die Beteiligung an den Chinesen wäre Yahoo deutlich weniger wert und eine Übernahme wäre leichter zu stemmen, laute die Überlegung dahinter.

Außerdem habe AOL-Chef Tim Armstrong die Idee geäußert, umgekehrt sein Unternehmen Yahoo zum Kauf anzubieten. Zusammen könnten AOL und Yahoo eventuell mehr Werbeanzeigen anziehen.