München (dpa) - Zweimal Kopf, einmal Fuß - Mario Gomez gelingt nach acht torlosen Monaten im Bayern-Trikot ein befreiender Dreierpack gegen Hannover. Nach seiner Wiederauferstehung als Torjäger übermittelte Gomez sogar eine pathetische Danksagung nach Chile.

Es sei zwar «Hokuspokus», dass ihm drei Tage nach der Rettung der 33 verschütteten Bergleute in der Mine von San José mit der Trikotnummer 33 alle drei Tore beim 3:0 der Münchner gegen Hannover 96 glückten, aber das chilenische Wunder habe ihn ermutigt.

Der neunte Gerettete hieß ja auch noch Mario Gomez, wie der deutsche Mario Gomez betonte: «Als ich das mitbekommen habe, war mir klar, dass es kein Zufall ist, sondern Schicksal, dass dieses Spiel heute für mich laufen wird.» Und darum müsse er sich an seinem Freudentag «natürlich auch bedanken bei den Leuten in Chile».

Drei Tore des Fußballers Mario Gomez sind zwar kein Wunder, aber in der Krisensituation des FC Bayern eine bemerkenswerte Geschichte. Gegen Hannover musste Trainer Louis van Gaal in größter Personalnot seine komplette «Resterampe» auffahren - und die zweite Garde korrigierte angeführt vom teuren Bankdrücker Gomez den Saisonfehlstart und die Angriffsmisere des Meisters. Gomez legte sein beim FC Bayern acht Monate lang verschüttetes Torjäger-Talent frei, sogar van Gaal wurde zum Gomez-Fan: «Ich bin froh, dass er drei Tore gemacht hat. Das wird ihm Vertrauen geben. Ich denke, dass wir in den nächsten Wochen einen sehr guten Mario Gomez sehen werden.»

Die vorläufig erteilte Startelfgarantie dürfte Gomez weiter beflügeln, denn das Vertrauen des Trainers hatte er lange vermisst. «Ich habe immer gesagt: Wenn ich Spiele von Anfang an bekomme, fit und gesund bin, werde ich Tore machen», sagte der Nationalstürmer. «Ich bin kein Spieler, der in fünf Minuten glänzen kann, sondern der sich in ein Spiel hineinfightet, der sich Chancen erarbeitet.»

Die Rekordsumme von 35 Millionen Euro schien der Rekordmeister fehlinvestiert zu haben - um ein Haar wäre Gomez im Sommer zum FC Liverpool geflüchtet. «Mario wollte gehen», berichtete Karl-Heinz Rummenigge, aber einen Tag vor Ablauf der Transferfrist stoppte der Bayern-Chef am 30. August den Wechsel. «Ich habe immer an Mario Gomez geglaubt», begründete Rummenigge und sagte auch, warum: «Ich halte ihn für den komplettesten Stürmer, den wir haben.»

Gegen Hannover traf Gomez zweimal mit dem Kopf (21./90.) und einmal - nach einem ungeahndeten Handspiel - krachend mit links (77.). Es war eine Genugtuung für ihn. Nach Spielende ging er nicht mit den Teamkollegen zum Jubeln in die Fankurve, sondern genoss den Triumph alleine für sich und rechnete dann mit seinen Kritikern ab: «Diese superschlauen Ratschläge der letzten Monate von all meinen Kritikern auf der Welt habe ich heute perfekt umgesetzt.»