Washington (dpa) - Noch immer sind weite Teile der US-Küste am Golf von Mexiko vom Öl verseucht. Ein halbes Jahr ist es her, dass die Ölplattform «Deepwater Horizon» explodierte und die verheerende Ölpest ihren Lauf nahm.

«Bohrinseln verursachen heute im allgemeinen keine Ölpest», sagte Barack Obama. «Sie sind technologisch sehr weit entwickelt.» Das war Anfang April, der US-Präsident hatte gerade neue Ölbohrungen in Küstengewässern erlaubt, am Golf von Mexiko war die Welt noch in Ordnung. Bis zum 20. April, dem Tag, als die Ölplattform «Deepwater Horizon» der britischen Firma BP sich in einen Feuerball verwandelte und die schlimmste Ölpest in der US-Geschichte in Gang setzte. Elf Menschen kamen bei der Explosion ums Leben, zwei starben beim Kampf gegen die Ölpest.

Kaum eine andere Ökokatastrophe hatte die Amerikaner derart schockiert: Ölverschmierte Vögel, verseuchtes Marschland im Mississippi-Delta, Fangverbot in Küstengewässern. «Die schlimmste Umweltkatastrophe, der sich Amerika je stellen musste», klagte Obama - von der vermeintlich sicheren Bohrtechnik war keine Rede mehr.

Zufall oder bewusstes Timing? Fast ein halbes Jahr nach Beginn der Katastrophe gab die US-Regierung jetzt bekannt, dass sie wieder Tiefsee-Bohrungen zulässt. Wieder spricht Washington von «entscheidenden Fortschritten», die Gefahren von Tiefseebohrungen zu reduzieren - Kritiker meinen, es sei eher die mächtige Ölindustrie, die die Regierung gedrängt hat. «We are open für business» (Wir sind wieder offen für Geschäfte), sagte Innenminister Ken Salazar.

Dabei sind die Folgen der Katastrophe längst nicht beseitigt. Die Behörden räumen ein, dass nach wie vor rund 950 Kilometer Golfküste mehr oder weniger verseucht seien - darunter schönste Strände. Bis in den Winter wird es dauern, bis die hässlichen, schwarzen Ölflecken und die Teerklumpen verschwunden sind.

Wie ernst die Lage - trotz mancher Beteuerungen - ist, lässt sich an der Zahl derjenigen ablesen, die sechs Monate danach noch immer im Einsatz sind: 16 290 Menschen sind «derzeit dabei, Küstenstreifen und Tiere zu schützen», teilt das Einsatzzentrum offiziell mit. Nach Entwarnung klingt das nicht gerade.

Schockierend sind auch die Erkenntnisse, die jetzt Stück für Stück ans Tageslicht kommen. Eine Untersuchungskommission kam jüngst zu dem Schluss, dass die Regierung zu Beginn der Katastrophe geradezu hilflos war. «Die Regierung erweckte den Eindruck, dass sie entweder nicht völlig kompetent war, die Ölpest zu bewältigen oder nicht völlig ehrlich zum amerikanischen Volk, was die Reichweite des Problems betraf.» Sie habe nicht einmal gewusst, wie viel Öl tatsächlich ins Meer floss. Zeitweise geriet auch Obama während der Krise ins Trudeln.