Berlin (dpa) - Die Wirtschaft will im Aufschwung mindestens 300 000 neue Jobs schaffen. Allein in der Gesundheitsbranche wollen die Arbeitgeber im nächsten Jahr Zehntausende neue Mitarbeiter einstellen, geht aus einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 28 000 Firmen hervor.

Die Bundesregierung will nach dem überraschend starken Aufschwung ihre Konjunkturprognose mehr als verdoppeln. Die Schätzung für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr wird von 1,4 auf 3,4 Prozent angehoben, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Für 2011 wird die Prognose von 1,6 auf 1,8 Prozent erhöht. Damit bleibt die schwarz-gelbe Koalition für beide Jahre etwas zurückhaltender als die führenden Forschungsinstitute. Sie hatten kürzlich für 2010 ein Wachstum von 3,5 Prozent und für 2011 von 2,0 Prozent vorausgesagt.

Offiziell wird die Herbstprognose am Donnerstag von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Berlin vorgelegt. Sie ist Grundlage für die nächste Steuerschätzung Anfang November und die Haushaltsplanungen. Der Wirtschaftsboom lässt mittlerweile die Kassen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) klingeln. Der Bund kann mit zusätzlichen Steuermilliarden rechnen. Am harten Sparkurs will Schwarz-Gelb aber festhalten.

Der DIHK erwartet wie die Regierung im laufenden Jahr ein Wachstum von 3,4 Prozent. 2011 werde die Krise endgültig überwunden sein. Das Tempo des Aufschwungs verlangsame sich dann aber auf 2,4 Prozent. «Das wäre immerhin ein doppelt so starkes Wachstum wie im Durchschnitt der letzten 20 Jahre», sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Auch Betriebe in den Bereichen Metallerzeugung, Elektrotechnik, Computertechnik, Handel und Maschinenbau suchen derzeit neue Mitarbeiter. «Der stärkste Beschäftigungsimpuls kommt von mittelständischen Unternehmen, die 20 bis 1000 Beschäftigte haben», sagte Wansleben. Im nächsten Jahr werde die Arbeitslosigkeit im Schnitt auf 2,9 Millionen zurückgehen.

Laut Umfrage erwartet jetzt jedes dritte Unternehmen (33 Prozent), dass sich seine wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten verbessert. Der Anteil der Pessimisten ist im Vergleich zum Frühsommer von 14 Prozent auf nur noch elf Prozent gesunken. Gute Geschäfte melden Hotels, Gaststätten und Reiseveranstalter. Die Gewissheit, dass der eigene Job sicher ist und demnächst höhere Löhnen winken, führt dazu, dass beim Verbraucher das Geld locker sitzt.

Der Einzelhandel sei so zufrieden wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, sagte Wansleben. Auch Baukonzerne vermeldeten Spitzenwerte. Dieser Trend halte an, weil große Teile des staatlichen Konjunkturpakets noch nicht abgearbeitet seien. Die Industrie werde vom starken Export getragen. Risiken seien die schwächere Entwicklung in den USA, Japan und in Teilen Europas.