Essen/Sydney/Madrid (dpa) - Der deutsche Baukonzern Hochtief muss im Abwehrkampf gegen den spanischen Großaktionär ACS seine australische Übernahmehürde Leighton neu aufstellen.

Hochtief hatte ACS über die Wertpapieraufsicht ASIC in Sydney verpflichten lassen wollen, ein Übernahmeangebot für die Tochtergesellschaft Leighton abzugeben. Damit sollte ACS finanziell überfordert werden.

ASIC erklärte sich am Mittwoch aber mit Verweis auf die schwierige Rechtslage für nicht fähig, dem Antrag nachzukommen und verwies auf Übernahmegremium «Takeover Panel». Das in diesem Fall höchste Gremium, dem rund 50 Experten angehören, kann auch bei schwierigen Übernahmeszenarien entscheiden.

Es geht um eine Art Präzedenzfall. Erhält ACS die Mehrheit bei Hochtief, würden die Spanier automatisch die an der Börse mit acht Milliarden Euro etwa doppelt so hoch bewertete Tochter Leighton miterwerben. Um das zu verhindern, müsste geltendes Recht in Australien neu ausgelegt oder geändert werden.

Leighton selbst hat von ACS vorsichtshalber schon einmal ein sattes Barangebot gefordert. Ob Hochtief einen Antrag beim Takeover Panel einreicht, muss das Aufsichtsgremium entscheiden. «Wir gehen davon aus, dass die entsprechenden Gremien dazu in Kürze eine Entscheidung treffen», sagte Konzernsprecher Christian Gerhardus in Essen.

ACS hat die ASIC-Entscheidung für sich als Erfolg gewertet. In Madrid hieß es, die Wertpapieraufsicht habe entschieden, dass ein Übernahme-Angebot für Leighton nicht unbedingt erforderlich sei. Der hochverschuldete Baukonzern beteuert zudem, dass er Hochtief und Leighton bei einer Übernahme nicht anrühren wolle. Das sieht Hochtief anders und befürchtet eine Zerschlagung des weltweit aufgestellten Konzerns, um sich zu sanieren.

In Analystenkreisen heißt es, der neue Anlauf für Hochtief könne sich für den Konzern sogar positiv auswirken. Die Zeitverzögerung sei günstig. Hochtief habe mehr Zeit zu zeigen, dass der Konzern mehr wert sei als es der Börsenkurs ausdrücke, sagte Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe.