Friedrichshafen (dpa) - Man muss nicht unbedingt bohren oder graben, um Vorgänge im Erdinneren zu erkunden. Drei Satelliten sollen von 2012 an das Magnetfeld der Erde vermessen und so mit bisher nicht erreichter Genauigkeit Einblicke in die Prozesse des Erdinneren gewinnen.

Der Satellitenbauer Astrium stellte den ersten Satelliten der Mission «Swarm» (engl. Schwarm) am Mittwoch in Friedrichshafen am Bodensee vor.

Die drei identischen «Swarm»-Satelliten werden im Rahmen des «Living Planet»-Programm der Europäischen Raumfahrt-Agentur ESA im Weltraum unterwegs sein und sollen sehr präzise und hochauflösend die Stärke, Ausrichtung und die Schwankungen des Erdmagnetfeldes vermessen. Das werde unter anderem der Kartierung von magnetisierten Gesteinen und Sedimenten dienen, teilte das Geoforschungszentrum Potsdam mit, das die Mission wissenschaftlich koordiniert. Das resultierende magnetische Bild der Erdkruste einschließlich des Ozeanbodens werde das Verständnis der geologischen Formationen erheblich verbessern und auch zum Auffinden von Mineralien und Erzlagerstätten nützlich sein.

Darüber hinaus erkunden die «Swarm»-Satelliten auch Ozeanströmungen. Die Bewegung des elektrisch leitenden Salzwassers erzeugt nach Angaben des Forschungszentrums ein schwaches Magnetfeld. Die «Swarm»-Mission soll die großräumigen Meeresströmungen räumlich und zeitlich verfolgen und damit auch der Klimaforschung dienen. Die Dynamik der Ozeane spiele für das Klimageschehen eine wichtige Rolle.

Außerdem ermöglicht die Mission nach Astrium-Angaben Analysen des Einflusses der Sonne auf das System Erde. Damit soll künftig eine viel genauere Navigation von Schiffen und Flugzeugen möglich werden. Außerdem könnte es rechtzeitig Warnungen vor den Folgen von Strahlenausbrüchen aus dem Weltraum geben.

Der Start ist für Mitte 2012 vom russischen Raketenstartplatz Plesetsk aus geplant. Der erste «Swarm»-Satellit wird jetzt auf seine Weltraumtauglichkeit getestet. Die Exemplare Nummer 2 und 3 folgen im Februar und April 2011.