Berlin (dpa) - Blackberry, Google, HTC, Motorola und Adobe - in einem ungewöhnlichen Rundumschlag hat Apple-Vorstandschef Steve Jobs kaum einen Konkurrenten von direkter oder indirekter Kritik verschont.

Die Reaktionen fielen verwundert bis verärgert aus - und machen eine tiefe Kluft in der IT-Branche deutlich: Apple geht kompromisslos seinen eigenen Weg, die Herausforderer setzen auf Offenheit und Vielfalt.

«Der Versuch von Apple, das Umfeld zu kontrollieren und eine geschlossene Plattform zu pflegen, mag gut für Apple sein», erklärte am Dienstag (Ortszeit) einer der beiden Vorstandsvorsitzenden des kanadischen Blackberry-Herstellers Research In Motion (RIM), Jim Balsillie, in einer schriftlichen Mitteilung an Journalisten. Aber «Entwickler wollen mehr Optionen, und Kunden wollen einen umfassenden Zugang zur überwältigenden Mehrheit von Web-Sites, die Flash verwenden.»

Die fehlende Unterstützung der Multimedia-Technik Flash durch Apple ist einer der Punkte, an dem die bereits erschienenen oder geplanten Alternativen zum Tablet-Computer iPad ansetzen. Ohne den Flash-Entwickler Adobe namentlich zu nennen, ging Jobs bei der Vorstellung der Apple-Rekordbilanz am Montag betont locker mit dieser Kontroverse um: «Flash hat überhaupt keine Probleme gemacht, wie Sie wissen. Die meisten Videos im Web sind nun in HTML5 erhältlich.»

Mehr Zeit ließ sich Jobs mit seiner Attacke gegen Google. Dessen Handy-Betriebssystem Android hat das iPhone beim Smartphone-Absatz in den USA nach jüngsten Zahlen des Marktforschers Nielsen überholt. «Android ist sehr fragmentiert», hielt der Apple-Chef der Konkurrenz entgegen. Tatsächlich wird Android von mehreren Herstellern wie HTC und Motorola eingesetzt und kann als Open-Source-System von jedem Anbieter an eigene Bedürfnisse angepasst werden.

«Steve Jobs hat völlig Recht», sagt dazu der Vorstandschef des kalifornischen Internet-Anbieters Evernote, Phil Libin, der Nachrichtenagentur dpa. «Es ist viel einfacher, für iOS zu entwickeln», also für das Betriebssystem von iPhone, iPad und iPod Touch. «Android wächst schnell, und es gibt sicherlich eine gewisse Art von Fragmentierung.» Aber Jobs habe nur von den Nachteilen gesprochen, nicht von den Vorteilen von Android: «Es gibt Schnittstellen und Möglichkeiten, die es bei iOS nicht gibt.»

Als Kronzeugen für die Probleme von Android-Entwicklern führte Jobs die vielgenutzte Twitter-Software TweetDeck an. Der Vorstandschef von TweetDeck, Iain Dodsworth, twitterte danach allerdings: «Wir haben nur 2 Jungs, die Tweetdeck für Android entwickeln, das zeigt, wie unwichtig das Thema Fragmentierung ist.»