Berlin (dpa) - Die deutschen Energiekonzerne stellen den Kunden einer Studie zufolge angesichts von Milliardengewinnen zu hohe Preise in Rechnung. Die Gewinne von Eon, RWE und EnBW hätten sich seit 2002 vervierfacht und lagen 2009 bei insgesamt 23 Milliarden Euro.

Das berechnete die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. RWE wies die Ergebnisse aufs Schärfste zurück. «Die Studie ist methodisch falsch und irreführend», sagte ein Sprecher. Besonders hart werden RWE und Eon in der «Stromwatch 3»-Studie kritisiert, die der dpa vorliegt. Der Essener Konzern habe 2009 den Kunden rund 2,3 Milliarden Euro zu viel in Rechnung gestellt, wenn man eine für DAX-Unternehmen übliche Rendite auf Märkten mit einem funktionierendem Wettbewerb zugrunde legt, betonen die Studienautoren Uwe Leprich und Andy Junker.

Damit verdiene RWE beim Strompreis 1,1 Cent zu viel pro Kilowattstunde. Eon erwirtschafte mittlerweile einen Großteil der Gewinne über Spekulationsgeschäfte mit Wertpapieren. In der Summe könnten die drei Energiekonzerne bei moderat steigenden Strombörsenpreisen damit rechnen, durch eine im Schnitt zwölfjährige Atomlaufzeitverlängerung einen (Netto-)Vorteil von über 70 Milliarden Euro einzustreichen, bei dem schon die Atomsteuer und die Zahlungen in den Ökoenergiefonds abgezogen sind.

RWE betonte, die Bundesregierung schöpfe bei den AKW-Betreibern insgesamt 30 Milliarden Euro ab. Die hohe Belastung, werde durch den Kapitalmarkt bestätigt. Die Aktien der großen Versorger seien seit Mitte 2010 daher erheblich unter Druck geraten. Auch andere Studienergebnisse hielten einer Überprüfung nicht stand: «Auf den Energiemärkten herrscht harter Wettbewerb», sagte der Sprecher. «Die Behauptung, dass RWE aufgrund fehlenden Wettbewerbs seinen Kunden 2009 rund 2,3 Mrd Euro zuviel abgenommen hat, ist absurd.»

Der Chef der Monopolkommission, Justus Haucap, sagte der «Frankfurter Rundschau» hingegen: «Es gibt keinen funktionsfähigen Wettbewerb bei der Energieerzeugung in Deutschland, das wurde durch die Laufzeitverlängerung für die Kernkraft noch einmal verfestigt.» Der Bundestag will längere Laufzeiten am 28. Oktober verabschieden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen, sprach von einer Farce, was den Wettbewerb auf dem deutschen Stromerzeugungsmarkt betrifft.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisierte: «Die Kapitalrenditen bei der Stromproduktion bewegen sich in astronomischen Höhen von deutlich über 25 Prozent.» Das könne man nur mit dem mangelnden Wettbewerb erklären, der mit einer Laufzeitverlängerung noch zementiert werde. «Es kann nicht sein, dass Stromkonzerne auf Kosten ihrer Kunden seit Jahren Milliarden Gewinne einfahren», sagte Linke- Bundesgeschäftsführerin Caren Lay.

Vorgängerstudie Stromwatch 2