Hamburg (dpa) ­ Das neue Album von Wir sind Helden klingt nachdenklicher und ruhiger als die Vorgänger, der Bart des Schlagzeugers Pola Roy ist länger geworden ­ doch beim Auftakt der «Bring mich nach Hause»-Tour 2010 scheint es, als habe es die dreijährige Baby- und Kreativpause nicht gegeben.

Genauso tanzbar, wortgewandt und fröhlich wie zuvor überzeugte die Band das Publikum am Dienstagabend in der ausverkauften Großen Freiheit 36 in Hamburg. Statt zunächst die neuen Lieder zu spielen, haben Sängerin Judith Holofernes und ihre Bandkollegen «nach Lust und Laune Sachen ausgesucht». «Von hier an blind», «Guten Tag» oder «Die Zeit heilt alle Wunder» ­ egal was die etwas heisere Frontfrau anstimmt, die Wahl kommt an. Gewohnt euphorisch geht es durch die mittlerweile zehnjährige Bandgeschichte. Textsicherheit beweisen die Fans aber auch beim neuen Lied «Bring mich nach Hause». Das hilft, die anfängliche Aufregung der Musiker wegzufegen. «Es ist so schön hier zu sein», freut sich Holofernes. «Wir waren lange weg vom Fenster.»

Zwei Stunden lang wühlen die «Helden» in ihrer Kiste der teilweise «längst vergessenen» Titel. Zwischendurch ein paar neue, melancholische Töne. Und neue Instrumente: Mehrmals greift Jean-Michel Tourette an diesem Abend zum Akkordeon. Doch es ist etwas anderes, was die Atmosphäre des Tourauftakts so besonders macht: Es gibt keinen strengen Zeitplan, keine Hektik. Entspannt und mindestens so voller Vorfreude wie ihre Fans scheinen Wir sind Helden jede Sekunde auf der Bühne zu genießen. Sie tun, was ihnen Spaß macht.

Auch persönliche Momente fehlen nicht. Kaum hat Schlagzeuger Pola Roy von seinem 35. Geburtstag in Amsterdam, der Feier mit der Band und dem geschenkten Regencape erzählt, bringen ihm 1600 Fans ein Ständchen. Die Band bedankt sich auf ihre Art: Statt mit den größten Hits bis zum Schluss zu warten, spielen sie «Denkmal» bereits zur Halbzeit. Weil ihnen eben gerade danach ist.

Einen Monat lang touren Wir sind Helden nun durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. 18 Auftritte sind im Rahmen der «Bring mich nach Hause»-Tour geplant. Auf ein Wiedersehen müssen die Hamburger Fans dieses Mal nicht jahrelang warten: Bereits am 3. November kehrt das Quartett zurück an die Elbe, zur Zusatzshow in der Großen Freiheit.

Trotzdem fällt Hamburgern und Band der Abschied schwer. Zweimal zieht es die «Helden» für Zugaben auf die Bühne zurück, doch das Publikum bekommt nicht genug, fordert unermüdlich noch mehr. Und die vier Musiker gehen auf die Wünsche ein ­ auch als die Technik die Gitarre schon längst ausgestöpselt hat. «Wir sind im Moment leicht entflammbar», gibt sich Holofernes überwältigt. «Das ist wie in alten Zeiten.»

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