London/Berlin/Heidelberg (dpa) ­ Jeder Mensch trägt im Durchschnitt 50 bis 100 Genvarianten für Erbkrankheiten mit sich herum. Zu dieser Erkenntnis kommen Forscher des internationalen 1000-Genom-Projekts nach Auswertung der Daten aus der Pilotphase des Projekts.

«Dass man ein verändertes Gen trägt, bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Krankheit auch ausbricht», betonte Ralf Sudbrak vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin.

Das Institut ist an dem Projekt beteiligt, dessen Startschuss 2008 fiel. Die Ergebnisse der bislang umfangreichsten Kartierung von Genvarianten veröffentlicht das britischen Fachjournal «Nature».

Ziel des 1000-Genom-Projektes ist es, die unzähligen genetischen Unterschiede von Menschen herauszuarbeiten. Die Erkenntnisse und neuen Techniken sollen dazu genutzt werden, die Rolle der Genvarianten bei der Entstehung von Krankheiten zu erforschen, beispielsweise von Krebs. Die erstellte «DNA-Bibliothek» wird der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sie soll geschätzte 95 Prozent der genetischen Varianten aller Menschen enthalten.

Von deutscher Seite sind an dem Projekt auch das European Molecular Biology Laboratory (Heidelberg) sowie das Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel beteiligt. Bis Ende 2012 wollen die Wissenschaftler das Erbgut von 2500 Menschen aus fünf großen Bevölkerungsgruppen entziffern. Beim Startschuss des Projektes waren mindestens 1000 Teilnehmer angekündigt worden. Das Genom eines Menschen besteht aus etwa drei Milliarden Bausteinen (Basenpaaren).

Die Pilotstudie umfasst Daten von mehr als 800 Menschen, deren Genom unterschiedlich detailliert untersucht wurde. Jeder Mensch besitzt demnach 250 bis 300 Genveränderungen, die dazu führen, dass das jeweilige Gen nicht mehr richtig arbeiten kann.

Vor zehn Jahren legten die US-Forscher Craig Venter und Francis Collins eine Rohversion des menschlichen Erbguts vor. Seitdem sind Genvarianten aufgespürt worden, die Fettsucht, Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen bedingen können.