Walldorf (dpa) - Die SAP-Chefs Bill McDermott und Jim-Hagemann Snabe machen Tempo. Europas größter Softwarehersteller sei stärker aufgestellt als je zuvor, sagte McDermott in Walldorf.

«Kunden investieren wieder, um ihre Unternehmen auf eine neue Wachstumsphase vorzubereiten und sich vom Wettbewerb abzuheben.» Im dritten Quartal 2010 stiegen Gewinn und Umsatz erneut zweistellig. Vor allem im wichtigen Geschäft mit Softwarelizenzen und Wartung machte der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware dank der Übernahme des kalifornischen Datenbankspezialisten Sybase nach der Krise Boden gut. Snabe sagte, er sei auch für das in der Branche traditionell starke Schlussquartal optimistisch. Die Jahresprognose bestätigte SAP.

«Alle Regionen trugen zum Wachstum im dritten Quartal bei. Besonders gute Ergebnisse erzielten wir in den USA und in den Wachstumsmärkten in Asien, Europa und Lateinamerika», sagte Finanzvorstand Werner Brandt. «Das Geschäft hat sich bei kleinen, mittleren und großen Unternehmen positiv entwickelt, und das durchschnittliche Auftragsvolumen ist gestiegen.»

Von Juli bis September 2010 legte der Umsatz im Jahresvergleich um ein Fünftel auf drei Milliarden Euro zu. Bei Softwarelizenzen und Wartung verbuchten die Walldorfer ebenfalls ein Plus von 20 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Hier machte sich erstmals die Übernahme von Sybase deutlich positiv bemerkbar - der Datenbankspezialist steuerte rund ein Viertel des Wachstums bei.

Damit trägt die Strategie der seit dem Frühjahr amtierenden Doppelspitze, die als wichtige Säule Wachstum durch Zukäufe vorsieht, Früchte. SAP hatte Sybase, einen kalifornischen Experten für mobile Datendienste, für rund 4,6 Milliarden Euro übernommen und will mit dem zweitgrößten Zukauf der Unternehmensgeschichte vor allem Oracle auf Distanz halten. Der Kampf mit dem Dauerrivalen belastete im dritten Quartal auch das Ergebnis der Walldorfer.

Während SAP die Erwartungen des Marktes beim Umsatz erfüllte, enttäuschte das Unternehmen sie beim Gewinn. Das Betriebsergebnis legte um 16 Prozent auf 716 Millionen Euro zu. Nach Steuern verdiente SAP 501 Millionen Euro, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktie gab nach Veröffentlichung der Zahlen deutlich nach und war Schlusslicht im DAX.

Die Ergebnisbelastungen in Höhe von 167 Millionen Euro resultieren zum Großteil aus der Sybase-Übernahme und einer Erhöhung der Rückstellungen für den Industriespionage-Streit mit Oracle. Diese schraubte SAP um 60 Millionen Dollar auf 160 Millionen Dollar (rund 115 Mio Euro) nach oben.