Dortmund (dpa) - Der märchenhafte Sturmlauf von Borussia Dortmund durch die Fußball-Bundesliga geht weiter. Beim 2:0 (0:0) über den Hamburger SV blieb das junge Team von Trainer Jürgen Klopp auch im elften Spiel in Serie ohne Niederlage.

Vor 80 720 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park sorgten die BVB-Toptorschützen Shinji Kagawa (49.) und Lucas Barrios (70.) mit ihren Saisontoren sechs und sieben für den Sieg des Revierclubs, der sich damit eine glänzende Ausgangsposition auf den Gewinn des inoffiziellen Titels des Herbstmeisters schuf. Für den HSV war es die 500. Niederlage in der Bundesliga-Geschichte.

«Es war eine überragende Leistung in der zweiten Halbzeit. Wir sind glücklich, so eine Mannschaft zu haben», sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Sorgen um die zuvor angeschlagenen Offensivkräfte Lucas Barrios und Kevin Großkreutz erwiesen sich als unbegründet. Beide BVB-Profis standen - genau wie der lange Zeit fragliche Hamburger Dribbelkünstler Jonathan Pitroipa - in der Startformation. Inspiriert durch das famose 4:0 in Hannover am vorigen Spieltag übernahm der Tabellenführer aus Dortmund von Beginn an die Regie. Dabei ging die Borussia mit dem gewohnt großem Engagement, aber nicht mit der spielerischen Klasse der vorigen Wochen zu Werke.

Deshalb schlug sich das Plus beim Ballbesitz nicht in einem Chancenplus nieder. Immer wieder verfingen sich die Angriffe der Dortmunder in der glänzend organisierten HSV-Abwehr. Bis zur 30. Minute war keine Torgefahr erkennbar. Und weil auch die Norddeutschen im Spiel nach vor nur wenig zustande brachten, hielt sich der Unterhaltungswert der in den vergangenen Jahren oft hochklassigen und torreichen Partie bis zur Pause in bescheidenen Grenzen. Die einzige Möglichkeit der ersten Halbzeit vergab BVB-Jungstar Mario Götze (40.), der aus kurzer Distanz das Tor verfehlte. «Wir waren da zu statisch, das haben wir den Jungs in der Halbzeit gesagt», erklärte BVB-Coach Klopp.

Die drohende Erstarrung löste sich vier Minuten nach dem Wiederanpfiff. Eine Eingabe von Lukas Piszczek in den Rücken der HSV- Abwehr versenkte das 350 000-Euro-Schnäppchen Kagawa mit einem von Heiko Westermann abgefälschten Flachschuss von der Strafraumgrenze. Von da ab wurde die Partie ansehnlicher, da die Gastgeber nachsetzen wollten und dabei spielerisch kreativer wurden, bei den widrigen Bedingungen aber auch Kampfkraft nicht vermissen ließen.

Die Hamburger ihrerseits öffneten ihre Deckung und spielten nun verstärkt nach vorn, ohne aber zunächst klare Torchancen zu erarbeiten. Der eingewechselte 18-jährige Koreaner Heung Min Son war ständiger Unruheherd, der allein die Dortmunder Abwehr schwer beschäftigte. Die größte Möglichkeit für einen HSV-Treffer vergab frei stehend Mladen Petric (74.). «Wir haben auf keinen Fall Fußball gespielt, ich kann es mir nicht erklären», sagte Westermann und bemängelte, dass der HSV die Dortmunder Verunsicherung in der ersten Hälfte nicht genutzt habe.

Dabei machten sich die Hamburger für Konter des BVB anfällig. Allerdings wurden diese zwar schnell, aber selten präzise vorgetragen. Beim zweiten Tor aber machten die Dortmunder alles richtig: Kagawa spielte Götze frei, der passte auf Großkreutz und dessen Hackenablage verwandelte Barrios mühelos. «Beide Tore waren überragend gemacht», meinte Klopp.